Weniger Straftaten gegen Obdachlose in Brandenburg

Die Polizei registriert in Brandenburg deutlich weniger Straftaten gegen Obdachlose. Doch die Dunkelziffer dürfte bei diesen Delikten hoch sein.

ARCHIV - Ein Bettler sitzt mit einem Regenumhang am Rande eines Gehweges.
ARCHIV - Ein Bettler sitzt mit einem Regenumhang am Rande eines Gehweges.Ralf Hirschberger/dpa/Archivbild

Potsdam-Die Zahl der registrierten Straftaten gegen Obdachlose in Brandenburg ist im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. Mit 93 Delikten wurden der Polizei 69 Fälle weniger gemeldet, als im Jahr 2020, wie aus der Antwort des Sozialministeriums in Potsdam auf eine Anfrage aus der Linksfraktion des Landtages hervorgeht. Im Jahr 2019 wurden 119 Straftaten gemeldet. Die tatsächliche Zahl dürfte stets höher sein, da laut Ministerium nur die hinreichend konkretisierten Delikte registriert seien - und die der Polizei gemeldet werden.

Nach Angaben aus der polizeilichen Kriminalitätsstatistik hat sich im vergangenen Jahr die Zahl der Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit von Obdachlosen gegenüber 2020 von 30 auf 16 nahezu halbiert. Noch stärker verringerten sich die Körperverletzungsdelikte von insgesamt 57 auf 21.

Wie in der Anfrage unter Hinweis auf Angaben des Statistischen Bundesamtes mitgeteilt wird, waren Ende Januar dieses Jahres in Brandenburg insgesamt 1295 Menschen als wohnungslos gemeldet. Davon lebten 615 Frauen und Männer in Potsdam, 150 in Brandenburg an der Havel und 105 in Cottbus. Die Bundesbehörde hat laut eigener Mitteilung in diesem Jahr erstmals Zahlen über die Obdachlosigkeit in Deutschland aus Angaben der Kommunen und Einrichtungen veröffentlicht. Vergleichszahlen zu vorangegangenen Jahren existieren daher nicht.

Wie das Ministerium ergänzend mitteilt, waren Ende Januar dieses Jahres bundesweit 178 145 Menschen als wohnungslos erfasst. Bezogen auf jeweils 1000 Einwohner liege der Anteil bundesweit bei etwa zwei Promille und im Land Brandenburg bei rund 0,5 Promille. In Brandenburg seien etwa 51 Prozent der wohnungslosen Menschen mindestens ein Jahr lang in Unterkünften untergebracht, bundesweit seien es im Schnitt etwa 61 Prozent.