Berlin - Wer 1989 alt genug war, um politisch bei Sinnen zu sein, konnte eine kollektive Umerziehung unmittelbar miterleben. Die Neuformung der Erinnerung an die DDR folgte dem historisch Üblichen: Das Siegreiche gestaltet das Gedächtnis um. So passten Teile des Denkmalbestandes nicht mehr zur neuen Ordnung. Das Schleifen der Erinnerung begann unverzüglich „von oben“, nutzte die Gunst der Stunde, als die Aufmerksamkeit der gewesenen DDR-Bürger vom neuen Alltag absorbiert war.

Das beste, mittlerweile weltbekannte Beispiel ist der Abbau der monumentalen Leninskulptur aus rotem ukrainischem Granit auf dem Leninplatz. Sie wurde anschließend vergraben – eine perfekte Symbolik. 20 Jahre hat es gedauert, bis der Kopf des russischen Revolutionsführers wieder ans Licht durfte und in einer Spandauer Denkmal-WG zusammen mit Markgrafen, Kurfürsten und ähnlichen Altvorderen Platz fand.

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