Berlin - In letzter Zeit musste ich öfter an einen alten „After Eight“-Werbespot denken. Im August, als ein Mann auf der Berliner Stadtautobahn Motorradfahrer gejagt und „Allahu akbar!“ gerufen hatte. Anfang Oktober, nachdem unter selbigem Motto in Dresden auf ein schwules Paar eingestochen worden war. Schließlich wegen französischer Vorkommnisse, die verdeutlichen, dass der Begriff des Halsabschneiders messerscharf sein kann und mithin mehr als eine Metapher für Innenstadtvermieter ist.

In jener Fernsehreklame sagte Lady Marjorie, sie habe gerade jemanden gesehen, der anderes aß als Pfefferminzplättchen. Darauf Sir Mortimer, ihr Gatte, leicht indigniert: „Dann tun wir doch am besten so, als hätten wir es nicht bemerkt.“ Derart fühlt es sich an, wenn das offizielle Deutschland auf islamistischen Terror reagiert. Der Politologe und Regierungsberater Herfried Münkler warb einst für diese Attitüde. Er nannte sie „mürrische Indifferenz“, übellaunige Gleichgültigkeit. Die Bundeskanzlerin hört wohl auf ihre Experten. Nach dem Breitscheidplatz-Attentat verging ein Jahr, bis sie sich den Opfern zuwandte. Insofern ist der Dresdner Mord noch viel zu frisch, um auch nur ein Wort darüber zu verlieren. Mag sein, dass das taktisch sogar schlau ist. Ich verstehe aber, dass anderen Politikern mal die Hutschnur platzt.

Lesen Sie doch weiter

Erhalten Sie unbegrenzt Zugang zu allen Online-Artikeln der Berliner Zeitung für nur 9,99 € im Monatsabo.

Jetzt abonnieren

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Oder das E-Paper? Hier geht’s zum Abo Shop.