BerlinAm Montagmorgen fragte die Dreijährige: „Kann ich heute Nachmittag mit Leonie spielen?“ Leonie ist ihre beste Freundin aus der Kita. Normalerweise würde ich sagen: „Ja, klar.“ Aber Normalität ist nicht mehr, ist abgeschafft, im Lockdown. Kurz zuvor hatte ich auf dem Handy eine Push-Nachricht bekommen, darin war es um die Pläne für einen verschärften Lockdown aus dem Kanzleramt gegangen. Ich zucke immer schon zusammen, wenn ich nur das Pling des Handys höre. Was kommt denn jetzt schon wieder? Meine Stimmung schwankt zwischen Genervtheit, Verunsicherung und innerer Abwehr. Man könnte es auch Pandemiemüdigkeit nennen.

Trotzdem las ich die Nachricht. Der neueste Idee bestand darin, dass man die Kontakte von Kindern weiter einschränken wolle. Sie sollten sich über die nächsten Wochen und Monate nur noch mit einem Freund treffen dürfen. Die Frage, ob die Tochter ihre Freundin Leonie treffen dürfte, bekam eine politische Dimension, die für Dreijährige eher ungewöhnlich ist. Wäre Leonie dann die ausgewählte Freundin, auf die sich ihre Kontakte in der nächsten Zeit beschränken müssten? Und was hieße das für Filine, die andere beste Freundin meiner Tochter? Wäre es dann illegal, wenn sich meine Tochter in der einen Woche mit Leonie und in der nächsten Woche mit Filine treffen würde? Und wie erkläre ich die Regeln, deren Sinn ich selbst nicht verstehe, einer Dreijährigen? Und was ist mit dem Sechsjährigen und seinen Freunden? Was ist, wenn er sich für einen Freund entscheidet, der aber einen anderen auswählt?

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