Klimastreik am Brandenburger Tor am 20. September 2019.
Foto: AFP/Axel Schmidt

BerlinDie friedliche Revolution ebnete für mehr als 16 Millionen Menschen den Weg in eine für sie ganz neue Chancen bietende Zukunft. Hätten sie damals gewusst, dass in 30 Jahren nicht nur Erwachsene in Deutschland, sondern insbesondere Kinder und Jugendliche auf der ganzen Welt auf die Straße gehen, um für ein gemeinsames Ziel zu demonstrieren, wären sie vermutlich begeistert gewesen. Hätten sie jedoch gewusst, dass die Welt in 30 Jahren vor einer der größten existenziellen Krisen der Geschichte stehen würde, hätte sich Fridays for Future wahrscheinlich schon viel früher gegründet.

BLZ/Tagesspiegel/BpB
30 Jahre Meinungsfreiheit

Vor 30 Jahren fiel die Mauer, aus der geteilten Stadt wurde ein geeintes Berlin. Gemeinsam mit dem Tagesspiegel und der Bundeszentrale für politische Bildung feiern wir die Meinungsfreiheit – mit guten Argumenten und großen Debatten. 


Es ist Zeit, dass die Politik den wissenschaftlichen Forderungen folgt

Denn heute wie damals wird eine unglaubliche Tragödie vor den Menschen verschleiert. Diesmal wird den Kindern und Jugendlichen nicht das Anrecht auf eine selbstbestimmte Zukunft genommen, sondern auf eine Gegenwart, in der sie sich nicht ständig fragen müssen, ob sie noch eine lebenswerte Zukunft haben werden.

Dabei könnte es doch so einfach sein. Die Politik müsste nur endlich umsetzen, was die Wissenschaft schon seit Jahrzehnten fordert: aufhören, sich von der Kohlelobby und anderen der Geschichte angehörenden Industriezweigen sponsern zu lassen und die Augen öffnen für die ,,globalen Zusammenhänge, das technisch Sinnvolle und das ökonomisch Machbare“ à la Christian Lindner.

Wir sind schon lange nicht mehr Marktführer in irgendeinem energiepolitischem Bereich

Stattdessen brüsten wir uns weiterhin mit Scheinmaßnahmen: einem Marktvorteil, den wir einmal hatten und den in der Statistik gut aussehenden äußeren Umständen, die nichts mit realem Klimaschutz zu tun haben.

ridays for Future-Aktivistinnen Ronja Enold (links, 16) und Gwendolyn Rautenberg (rechts, 18).
Foto: Gwendolyn Rautenberg, Ronja Enold/privat

Denn Fakt ist: Wir sind schon lange nicht mehr Marktführer in auch nur irgendeinem energiepolitischem Bereich. Statt die 2012 noch in Deutschland liegende Marktführung in Solarenergie weiter zu fördern, Rahmenbedingungen für neue Industriezweige zu schaffen und den Kohleausstieg sozial verträglich zu gestalten, stecken wir immer mehr Geld in die Subvention von fossilen Energieträgern wie Kohle - einer Energiegewinnung, in welcher wir schon lange nicht mehr marktfähig sind, ja, de facto sogar minus durch die hohen Subventionskosten machen.

Es ist Zeit für einen Wandel

Und gleichzeitig sind wir so laut, brüsten uns auf eine eigentlich schon beschämende Art und Weise mit unfairen geografischen Vorteilen und vereiteln damit jegliche Chance auf realen Klimaschutz und damit auf eine Zukunft für uns und unsere Kinder.

Deshalb ist es jetzt Zeit für einen Wandel! Die Politik hat uns gezeigt, dass sie nicht von selbst die nötigen Schritte und damit den nötigen Umschwung einläuten wird. Also liegt es an uns: Wir müssen jetzt Veränderung schaffen, wo keine gewollt ist. Und das geht am besten, indem jeder bei sich selbst anfängt. Also ändern wir was, fangen wir an, nachhaltig und weitsichtig zu denken! Wenn die Politik beschließt, uns zu ignorieren, beschließen wir, das Thema Klimaschutz in alle Bevölkerungsgruppen zu tragen!

Wir alle sind Teil der Lösung

Wenn die Politik nicht handelt, handeln wir und verschieben an ihrer Stelle mit genug Aufklärung und Willen den Markt und Konsum. Wenn sie nicht bereit sind, wirksame Klimaschutzkonzepte zu entwickeln, setzen wir uns selbst mit der Wissenschaft in Verbindung und finden heraus, dass eine Tonne CO2 eben nicht nur 10 Euro Kosten darf, sondern mindestens 180 Euro, um zu einem Umdenken bei Unternehmen und Konzernen zu führen.

Erhöhen wir den Druck auf die Politik stetig, aber vergessen wir dabei nie, dass wir alle Teil der Lösung sind und mit unseren Entscheidungen und unserem Handeln die Welt um uns herum maßgeblich verändern können. Und am allerwichtigsten: Fordern wir das Recht auf eine lebenswerte Zukunft, denn das haben wir! Eine Zukunft, über welche wir bestimmen und keine weltfremden Politiker.