In diesen Tagen flattern überall freundliche Schreiben ins Haus, die man aufmerksam studieren sollte. Es sind nicht nur die üblichen Jahresabrechnungen von Strom und Gas. Die meisten Anbieter schicken außerdem Ankündigungen für eine Preiserhöhung.

Auf den ersten Blick wirkt das Ganze recht harmlos. Hier ein Cent mehr und da plötzlich ein Grundbetrag, wo vorher keiner war. Wer die Kilowattstundenpreise dann hochrechnet auf den Gesamtverbrauch, muss sich aber vielleicht erst mal setzen, weil zumindest bei einem größeren Haus plötzlich 1000 Euro mehr im Jahr herauskommen.

Das betrifft vor allem das Heizen, weil dafür die meiste Energie verbraucht wird. Und deshalb ist es vollkommen richtig, dass die Regierung als Erstes einen Heizkostenzuschuss an Leistungsempfänger zahlen will. Über die Höhe kann man vielleicht streiten, aber das eigentliche Problem ist größer. Denn es betrifft ja alle, und auch bei Geringverdienern und vielen Familien mit Kindern ist kein Geld übrig.

Man kann diesen steigenden Kosten nicht ausweichen. Ein Anbieterwechsel lohnt nicht, weil überall erhöht wird. Schon wird allerorten privat getüftelt und überlegt. Doch eine Wärmepumpe anschaffen, obwohl es bei dem alten energieintensiven Haus ja kaum einen Effekt hat? Oder einen Holzofen in der Mietwohnung anschließen? Bei Altbauten geht das ja. Nicht alle diese Ideen werden am Ende zielführend sein. Natürlich ist es kreativ und immerhin setzen sich die Bürger jetzt mit ihrem Energieverbrauch auseinander – wenn auch nur notgedrungen.

Und trotzdem zeugt es vor allem von Hilflosigkeit. Denn es ist ungefähr so, wie fürs Klima und Tierwohl kein Fleisch mehr zu essen. Kann man machen, ändert aber nichts.

Wirtschaftsminister Robert Habeck sieht in der Situation eine Herausforderung und auch eine Chance, schneller umzusteigen auf weniger klimaschädliche Energieformen. Dabei werden die Bürger allerdings Hilfe brauchen und vor allem Anleitung. Sonst kippt demnächst die Stimmung.