Bei öffentlichen Protesten wie hier in San Francisco gegen Polizeigewalt ist auch Donald Trump oft ein Thema.
Foto: AFP/Josh Edelson

LondonDie Suche nach dem englischen Stichwort „racist“ (Rassist, rassistisch) im Kurzbotschaftendienst Twitter liefert als erstes Ergebnis US-Präsident Donald Trump. Dies berichtete die britische Zeitung „The Independent“ am Mittwoch. Twitter äußerte sich dazu zurückhaltend. „Wenn ein Konto regelmäßig mit bestimmten Begriffen verknüpft wird, können sie über einen Algorithmus zusammen in den Empfehlungen erscheinen“, sagte ein Sprecher des Unternehmens.

Trump, der bei Twitter mehr als 80 Millionen Follower hat, steht derzeit wegen seines Umgangs mit den Protesten nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis in der Kritik. Ihm wird vorgeworfen, die Spannungen mit seinen Äußerungen weiter zu verschärfen. Vorwürfe des Rassismus hat er stets zurückgewiesen.

Das Suchergebnis deute darauf hin, dass viele Menschen die Wörter „Rassist“ oder „Rassismus“ im Zusammenhang mit Trump verwenden, sagte Greg Sterling, Redakteur der Website Search Engine Land, die sich auf Suchmaschinen spezialisiert hat. Möglich sei auch, dass es sich um den gezielten Versuch handele, den Begriff Trumps Twitter-Konto zuzuordnen. Denkbar ist aber auch, dass zahlreiche Trump-Anhänger den Präsidenten gegen Anschuldigungen verteidigen und dabei den Begriff „rassistisch“ verwenden.

Kjerstin Thorson, Professorin für Politik und soziale Medien an der Michigan State University, hält eine detaillierte Analyse für nötig, um die Zusammenhänge hinter dem Suchergebnis zu verstehen. Allerdings sei es nicht unwahrscheinlich, dass es sich dabei um eine exakte Wiedergabe dessen handelt, was die Menschen (auf Twitter) sagen. Absicht des Unternehmens vermutet sie dahinter nicht: Die Online-Dienste hätten alles getan, um den Eindruck von Parteilichkeit zu vermeiden.

Trump hatte kürzlich eine neue Verordnung unterzeichnet, durch die Online-Netzwerke wie Twitter und Facebook stärker reguliert werden sollen. Auslöser der Maßnahme war ein Streit Trumps mit Twitter, nachdem der Kurzmitteilungsdienst erstmals zwei Botschaften des Präsidenten als irreführend gekennzeichnet hatte.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hatte dagegen entschieden, umstrittene Botschaften des Präsidenten auf der Online-Plattform unkommentiert stehen zu lassen. Nachdem sich Mitarbeiter beschwert hatten, verwies Zuckerberg bei einer Videokonferenz Medienberichten zufolge auf die Meinungsfreiheit und das öffentliche Informationsinteresse. Gleichwohl sagte Zuckerberg laut der „New York Times“, er habe ein Telefonat mit Trump geführt und darin bekräftigt, dass er eine Facebook-Nachricht des Präsidenten als aufstachelnd und schädlich empfunden habe.

Zuckerberg bezog sich dabei auf eine Botschaft Trumps in den Online-Netzwerken. Über die Proteste nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd hatte der Präsident wörtlich geschrieben: „Wenn die Plünderungen losgehen, geht auch das Schießen los.“ (AFP)