TOCHTER: Ich hab gerade so viel Zeit, weil Ferien sind. Ich glaube, ich mache die  Theorieprüfung in der Fahrschule.

MUTTER. Warum willst du eigentlich überhaupt einen Führerschein machen? Ich dachte, das Auto sei von gestern, und man braucht es nicht mehr.

Aber es wird in den nächsten 20 oder 30 Jahren noch erhalten bleiben, auch wenn es E-Autos sein werden oder welche, die mit Wasserstoff fahren. Man muss Auto fahren können.

Na ja, du könntest auch anders klarkommen. Wegen der Klimakatastrophe hätte ich gedacht, du willst gar nicht mehr mit dem Auto fahren.

Es ist, um von A nach B zu kommen, aber nicht nur das. Ich bin dann nicht so abhängig, nicht von euch oder jemand anderem, der mich irgendwo hinfahren muss. Aber auch nicht von der Bahn oder dem Flugzeug. Ich kann dann überall hinkommen.

Wir werden beim Verkehr in den nächsten Jahren aber deutliche Veränderungen haben. Die Großstädte werden ganz sicher umgebaut. Das Auto wird auf den Straßen und auch zum Parken weniger Platz bekommen.

Es wird ungemütlicher, mit dem Auto in die Stadt zu fahren. Das ist vielleicht ganz gut.

Ja, aber nicht nur, um es den Menschen unbequemer zu machen. Es geht mehr darum, das Leben in den Städten lebenswerter zu machen mit weniger Lärm, Abgasen, Gefahrenzonen, Betonschneisen, Streit um den Platz. Das ist doch alles wahnsinnig anstrengend. Es gibt heftige Auseinandersetzungen. Und wie viel Zeit die Leute im Stau einfach sinnlos verschleudern! Ich glaube, das wird sich verändern. Und deshalb frage ich mich, weshalb braucht man noch einen Führerschein?

Also, ich will einen Führerschein haben, aber ich werde mir kein Auto kaufen. Ich will erst mal in der Großstadt wohnen, und da ist es überhaupt nicht praktisch, ein Auto zu haben. Wenn ich irgendwann mal auf dem Land leben sollte, so wie wir jetzt, ist es was anderes. Da ist die Anbindung mit Bus und Bahn nicht gut, und die Wege sind auch viel weiter. Man kann auch nicht immer Freunde bitten, einen zu fahren, wenn man was transportieren will. Für mich ist es eher eine Langzeit-Möglichkeit, eine Fähigkeit.

Aber ist das Auto noch wichtig?

Wenn ich mir die Erwachsenen in meiner Umgebung anschaue, dann schon. Wer fährt denn zum Einkaufen mit dem Rad oder auch zur Arbeit? Für viele ist es ein Prestigeobjekt. Auch wenn sie sich den Wagen nicht leisten können. Dann holen sie sich den schicksten Firmenwagen oder einen auf Kredit. Die Nachbarn wissen dann nicht, wer das Auto bezahlt. Es ist ein Zeichen von ‚Mir geht es gut‘. Zwei Wagen sind noch besser.

Das Auto ist eben nicht nur Transportmittel. Manche brauchen es für den Status und manche für die Freiheit. Wir haben ja auch zwei Autos. Aus ökologischer Sicht ist das absurd.

Da gibt es, glaube ich, gar nicht so viele Unterschiede zwischen der jüngeren und der älteren Generation. In meinem Jahrgang macht jeder einen Führerschein. Einige sagen, wenn ich den Führerschein habe, kriege ich ein Auto geschenkt.

Erstaunlich, dass die Liebe zum Auto immer noch so stark ist. Nach all den Skandalen in der Automobilindustrie und nach der Klimadebatte findet die junge Generation Autofahren immer noch so wichtig wie wir damals.

Auf die Straße zu gehen und zu fordern „Ändert mal was“ ist eben einfacher, als zu Hause selbst etwas zu verändern. Aber das kann ja noch kommen. Ich brauche jedenfalls erst mal kein Auto.