Weiß, privilegiert und schnell beleidigt: Karen, oder vielmehr „Karen“.
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BerlinWenn nicht alles läuft, wie sie will, dann verlangt sie den Geschäftsführer. Sie mag Waffen und Donald Trump, ist weiß, praktisch frisiert, bibeltreu und eine Rassistin. Die Frau heißt Karen und wann immer jemand im Internet einen Kommentar verfasst, in dem er sagt, jemand wäre typisch „Karen“, dann weiß die Netzgemeinde in den Vereinigten Staaten, welcher Typ Frau gemeint ist. Karen ist im Netz zu einem Meme geworden, ausgehend von der afroamerikanischen Twitter-Community.

Es gibt diese Karen nicht, es ist ein Platzhaltername, ein Synonym für die weiße Mittelklasse der USA. Aber Karen hat reale Vorbilder. Eine Caroline zum Beispiel aus Brooklyn. Caroline fühlte sich sexuell belästigt von einem neun Jahre alten schwarzen Jungen, der ihr in einem Laden angeblich an den Hintern gefasst hatte. Deshalb wählte sie den Notruf und forderte eine sofortige Verhaftung. Ein Überwachungsvideo zeigte, dass Caroline von dem Rucksack des Jungen gestreift wurde.

Warum dieser Typ Frau als Karen bezeichnet wird, ist umstritten. Manche behaupten, das gehe auf eine Szene in dem Film „Mean Girls“ aus dem Jahr 2004 zurück. In der Szene fragt eine Figur namens Karen eine weiße Frau aus Südafrika, warum sie denn weiß sei.

Warum die Karens dieser Welt mit der derzeitigen Konjunktur der „Black Lives Matter“-Bewegung erneut in den Blick geraten, wird an einem anderen Vorbild für Karen deutlich: Amy Cooper, eine New Yorkerin, die sich zu Unrecht von einem Schwarzen bedroht fühlt und deren hysterische Reaktion ebenfalls als Video im Internet bekannt wurde. Dabei halten sich die Karens dieser Welt meist für aufgeklärt. Ihr Rassismus ist lediglich ein Nebenprodukt ihres übersteigerten Anspruchs und ihres permanenten Gefühls, in ihrer behüteten Welt bedroht zu sein.

Wie in der vergangenen Woche, als Jillian Wuestenberg in Michigan eine schwarze Frau mit der Pistole bedrohte, weil diese ihr auf einem Parkplatz aus Versehen vor den SUV gelaufen war. Zum Glück ging der Vorfall glimpflich aus. Den Beinamen Karen indes wird Wuestenberg jetzt länger tragen.