Köln - Er habe dabei geholfen, vor dem zweiten Golfkrieg Geiseln aus dem Irak zu befreien. Er sei beteiligt gewesen am Kampf gegen Terrororganisationen in Kambodscha, Thailand oder Malaysia. Habe dazu beigetragen, Friedensverhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern zu organisieren, vermittele zwischen dem Vatikan und der Volksrepublik China und habe den deutschen Papst Benedikt XVI. vor der Vergiftung durch die sizilianisch-kolumbianische Drogenmafia gerettet.

Werner Mauss ist seit Jahrzehnten ein Mann für heikle Fälle. Es gibt viele Fälle, die er gelöst haben will. Als erwiesen gilt, dass er Geiseln gegen Lösegeld aus den Fängen kolumbianischer Rebellen befreit hat. Als Undercover-Agent arbeitete Mauss für Behörden, Geheimdienste, Politiker sowie Konzerne und wurde schon zu Lebzeiten zur legendären Figur. In den 1990er Jahren soll er sogar über gute Kontakte ins Bundeskanzleramt verfügt haben.

15 Millionen Euro Einkommenssteuer hinterzogen?

Menschen wie die „Institution M“, wie Mauss in Sicherheitskreisen genannt wird, benutzen gefälschte Identitäten und Aliasnamen, leben normalerweise in der Anonymität. Ab diesem Montag jedoch wird er im Scheinwerferlicht stehen.

Vor dem Landgericht Bochum muss sich der 76-Jährige wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung verantworten. Zwischen Oktober 2003 und März 2015 soll er nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft etwa 15 Millionen Euro an Einkommensteuern hinterzogen haben.

Mauss, der die Vorwürfe vehement bestreitet, lebt zwar in Rheinland-Pfalz, wird aus Sicherheitsgründen unter einem Aliasnamen aber beim Finanzamt Essen-Süd steuerlich veranlagt – weshalb ihm in NRW jetzt auch der Prozess gemacht wird. Im Kern geht es im Bochumer Verfahren um ein kompliziertes Konstrukt von Stiftungen und Konten, auf das die Behörden durch Zufall gestoßen sind.

Ein Aliasname des Geheimagenten stand auf einer Daten-CD, die das Land Nordrhein-Westfalen im Jahr 2012 für 3,5 Millionen Euro von einem Whistleblower der Schweizer Bank UBS angekauft hatte. Mauss soll laut Anklage ein nicht beim Finanzamt deklariertes Konto bei der Luxemburger UBS-Tochter geführt haben, ermittelten nordrhein-westfälische Steuerfahnder. Im Laufe der Recherchen wurden dann noch weitere Konten sowie Stiftungen entdeckt.

Angebliches Vermögen: 26 bis 60 Millionen US-Dollar

Seit den späten 1980er Jahren habe Mauss unter dem Tarnnamen Claus Möllner bei der UBS in Luxemburg und auf den Bahamas über ein Vermögen von 26 bis 60 Millionen US-Dollar verfügt, wollen die Ermittler letztlich herausbekommen haben.

Über das Finanzkonstrukt, das laut Anklage zur Verschleierung der Geschäftsabläufe genutzt wurde, seien dann beispielsweise auch Wertpapiere gekauft worden. Die damit erzielten erheblichen Zinsgewinne habe der Geheimagent gegenüber dem Finanzamt aber verschwiegen.

Am 21. Dezember 2012 war Mauss deshalb vorübergehend festgenommen und noch am selben Tag wieder auf freien Fuß gesetzt worden, weil er vorab vier Millionen Euro wegen seiner möglichen Steuerschuld zahlte, eine Kaution von einer Million Euro hinterlegte und seine volle Unterstützung bei der Aufklärung des Sachverhaltes zusicherte. Seitdem hat der Mann über seine Anwälte schon mehrfach erklärt, er habe keine Steuern hinterzogen, und die Einstellung des Verfahrens gefordert.

Gelder dienten „Verbesserung des Weltfriedens“

Seine Ausführungen sind abenteuerlich, so wie das gesamte Leben des 76-Jährigen. Das Geld der Stiftungen und auf den Konten gehöre ihm nicht, behauptet Mauss laut Anklage. Er sei lediglich Treuhänder. Die erste Überweisung, 23 Millionen US-Dollar, sei Mitte der 1980er-Jahre von westlichen Geheimdiensten gekommen. Ein deutscher Dienst jedoch sei nicht dabei gewesen – womit es auch keine Steuerpflicht in Deutschland geben würde.

Das Finanzkonstrukt sei dann genutzt worden, Verbrecher und Terroristen zu bekämpfen, so die Anwälte des Beschuldigten. Für Aktionen eben, die schlichtweg der „Verbesserung des Weltfriedens“ dienten. Außerdem sei dies nichts Ungewöhnliches für Mauss. Schon früher, dann auch unter Mithilfe deutscher Behörden oder Geheimdienste, seien geheime Kassen für ihn eingerichtet worden – etwa um Informanten und Überläufer zu bezahlen.

Die Existenz des aktuellen Geheimfonds bei der USB könnten zudem zahlreiche namhafte Personen wie der Wiener Oberrabbiner Paul Eisenberg und der ehemalige israelische Minister Amir Peretz bestätigen. Die beiden Genannten jedoch hätten auf Anfrage erklärt, sie wüssten nichts von diesem Fonds, berichtete unlängst das Magazin „Focus“.

Geld für private Zwecke entfremdet

Auch die Steuerfahnder glauben nicht an die Geheimkasse, halten die Geschichte dem Vernehmen nach für eine Räuberpistole. Da half es auch nicht, dass Mauss im Oktober noch einmal telefonisch versichert haben soll, dass er mit dem Geld große Erfolge im Kampf gegen den IS erzielt habe.

Bei einer Durchsuchung der Luxemburger USB-Bank im Dezember 2014 seien zudem zahlreiche Unterlagen beschlagnahmt worden, die nahelegen sollen, dass der Geheimagent das Geld für private Zwecke verwendet hat, heißt es. Für den Bau einer großen Reiterhalle auf seinem Anwesen beispielsweise, für Pferde, Autos, Geschenke oder Wachstumshormone, mit deren Hilfe er auch im hohen Alter noch fit bleiben wolle.

Auch im Zusammenhang mit der Enthüllungsaffäre um die „Panama Papers“ war Mauss in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt. Insgesamt zwölf Briefkastenfirmen hatte der Agent in Panama gegründet. Diese hätten „außergewöhnlichen humanitären Aktionen“ gedient, sagte Mauss im April dieses Jahres der Deutschen Presse-Agentur: „Damit haben wir etwa Geisel-Befreiungen diskret abgewickelt.“

So habe er, teilweise „unter höchster Lebensgefahr“, bereits 43 Menschen das Leben gerettet – beispielsweise wenn Mitarbeiter von Hilfsorganisationen entführt wurden. Die Veröffentlichungen drohten nun, diese Arbeit zu erschweren: „Jetzt zieht man mich durch den Schmutz.“