Siegfried Reiprich, Geschäftsführer der Stiftung Sächsische Gedenkstätten.
Foto: stsg/Steffen Giersch

Der Romanist Victor Klemperer schrieb 1947 in seiner Studie über die Sprache im Nationalsozialismus (LTI): „Wörter können sein wie winzige Arsendosen: Sie werden unbemerkt verschluckt, sie scheinen keine Wirkung zu tun, und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da.“ Er wusste, wovon er schrieb. Als Jude überlebte er mit viel Glück und Geschick das „III. Reich“. Schon die Spätphase der Weimarer Republik war von einer Verrohung der Sprache gekennzeichnet. Kommunisten und Nationalsozialisten schreckten nicht davor zurück, ihre Gegner zu beschimpfen, abzuwerten, lächerlich zu machen. Noch bevor die ersten Faustschläge niederprasselten, waren die Hirne von permanenten sprachlichen Abwertungen weichgekocht. Der Aufstieg und Sieg des Nationalsozialismus war auch der ständigen Propaganda, der demagogischen Sprache und einer damit zusammenhängenden Abqualifizierung von Demokratie und Republik geschuldet.

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