BerlinAn diesem Donnerstag wird er bei einer Online-Zeremonie den Friedensnobelpreis entgegennehmen – stellvertretend für mehr als 17.000 Frauen und Männer, die täglich gegen den weltweiten Hunger kämpfen: David Beasley, Chef des Welternährungsprogramms (WFP) der Vereinten Nationen.

Der 63-jährige US-Amerikaner, der in den 90er-Jahren Gouverneur des Bundestaats South Carolina war, richtete vor der Verleihung im Namen der Ärmsten der Armen einen Appell an die Reichsten der Welt: „Es gibt mehr als 2200 Milliardäre auf der Welt, mit einem Nettovermögen von etwa zehn Billionen US-Dollar“, sagte Beasley der Wochenzeitung Die Zeit. Mit Blick auf dieses Vermögen zeige sich, dass niemand hungern solle. „Und alles, was ich brauche, sind fünf Milliarden Dollar, um eine Hungersnot zu verhindern. Ist das zu viel verlangt?“

Seit Monaten schlagen Hilfsorganisationen Alarm, denn die Corona-Pandemie droht, die ohnehin dramatische Hungerlage in der Welt zu verschärfen. Schon vor der Pandemie seien 30 Millionen Menschen auf der Welt zu 100 Prozent vom Welternährungsprogramm abhängig gewesen, sagte Beasley. Diese zu versorgen, koste rund fünf Milliarden Dollar (ca. 4,1 Mrd. Euro).

Das Coronavirus hat zusätzlich Hunderttausende ins Elend gestürzt. Mehr als unter dem Virus selbst leiden sie in vielen Ländern an den Folgen der Pandemie: Die Wirtschaft ist vielerorts lahmgelegt, der Warenfluss unterbrochen. Ausgangssperren verhindern, dass Tagelöhner ihrer Arbeit nachgehen können. Einem Bericht der Hilfsorganisation Save the Children zufolge hat die Corona-Krise die Nahrungsmittelknappheit allein in Syrien rapide verschlimmert: In den vergangenen sechs Monaten sei dort die Zahl der Kinder, die von Hunger bedroht sind, um 700.000 auf 4,6 Millionen gestiegen.

Im Jahr 2015 hatten sich die Vereinten Nationen in ihrer „Agenda 2030“ das Ziel gesetzt, den weltweiten Hunger bis zum Jahr 2030 zu beenden. Angesichts der Folgen des Coronavirus, der anhaltenden bewaffneten Konflikte und Naturkatastrophen scheint es in weite Ferne gerückt.

Stattdessen rechnen die Vereinten Nationen damit, dass im nächsten Jahr mehr Menschen Hilfe und Unterstützung brauchen werden als je zuvor: Insgesamt 235 Millionen Menschen, ein Anstieg von 40 Prozent innerhalb eines Jahres. 

Das norwegische Nobelkomitee hatte am 9. Oktober verkündet, dass der diesjährige Friedensnobelpreis an das Welternährungsprogramm geht. Die UN-Organisation wird damit unter anderem für ihre Bemühungen im Kampf gegen den Hunger sowie ihren Beitrag zur Verbesserung der Friedensbedingungen in Konfliktgebieten ausgezeichnet.