Migranten, die versuchen, über das Mittelmeer zu gelangen, riskieren ihr Leben nicht nur mit der gefährlichen Überfahrt in kleinen Booten. Seit einiger Zeit geht die libysche Küstenwache offenbar auf offener See mit Gewalt gegen Migranten vor, wie die Sprecherin von Sea Watch, Giorgia Linardi, der Berliner Zeitung berichtet: „Wir haben Beweise vorliegen, dass es zu systematischen Angriffen gegen Boote kommt. Die sogenannte libysche Küstenwache schießt auf Boote und verhindert, dass Menschen gerettet werden. Leute stürzen ins Meer, weil die Küstenwache die Boote zu Manövern zwingt, bei denen dann Menschen über Bord gehen.“

Linardi sagt, die Organisation Sea Watch habe die Vorfälle bereits mehreren Stellen gemeldet, so dem UN-Flüchtlingskommissar und dem Menschenrechtskommissar des Europarats. Doch es geschehe nichts, im Gegenteil. Linardi: „Wir werden durch bürokratische Maßnahmen daran gehindert, auf Rettungsmissionen zu fahren. Die EU hat in einem Abkommen mit Libyen die Abwehr von Flüchtlingen outgesourct.“ Laut Linardi ist das Abkommen jedoch eine Farce, weil die libysche Küstenwache die internationalen Voraussetzungen für den Status einer anerkannten Küstenwache nicht erfülle. Mattea Weihe von Sea Watch Deutschland: „Eine anerkannte Küstenwache muss einen klaren Standort, ein sogenanntes ,rescue coordination center‘ haben, muss rund um die Uhr im Einsatz sein und sich auf Englisch verständigen können. Nichts davon ist im Fall der sogenannten libyschen Küstenwache der Fall.“

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