Das pubertierende Kind am Frühstückstisch vor dem ersten Biss ins Marmeladenbrötchen: „Wisst ihr eigentlich, was die CDU alles falsch macht?“ Die überraschten Eltern: „Also …“ Und dann legte die Tochter los: Klüngel, Klimawandel, nicht eingelöste Wahlversprechen – sie hörte gar nicht auf. So ging es vielleicht in vielen Familien in den vergangenen Tagen zu.

Auslöser könnte der Youtuber Rezo mit seinem einstündigen Video „Die Zerstörung der CDU“ gewesen sein. Fast anderthalb Millionen Mal wurde der Beitrag seit Sonnabend angeklickt, fast 47.000 Kommentare kommen dazu. Für den deutschen Markt sind das Höchstwerte.

Von Politikverdrossenheit keine Spur

Rezo, Markenzeichen blau gefärbte Haare, ist 26 Jahre alt, hat Informatik studiert, kommt aus Wuppertal und lebt in Aachen. Seinen bürgerlichen Namen konnte er bisher erfolgreich geheim halten. Vor vier Jahren hat er seine ersten Videos hochgeladen, Youtube-Star zu werden, war sein Ziel. Bisher hat er sich eher um Musik und Bällebäder gekümmert, man könnte meinen, die Diskussion über das Urheberrecht und die Fridays-for-Future-Initiative hätten ihn angespornt. Er sagt, er habe einen intrinsischen Drang, einen Diskurs anzukurbeln. Und ergänzt: „Dies in so einer intensiven positiven Form und Dimension bewegt zu haben, hätte ich nicht gedacht.“

Das Video über seine Einschätzung des Politikbetriebs (nicht nur die CDU kriegt ihr Fett ab) muss wochenlange Arbeit gewesen sein, denn Rezo führt zahlreiche Quellen an. Seine Kernbotschaft: Vertraut den Erkenntnissen der Wissenschaft und dem Engagement der Jugend, bildet euch eine eigene Meinung. Und in Richtung der Politiker: „Ey, ihr sagt doch immer, dass die jungen Leute mehr Politik machen sollen, dann kommt auch damit klar, dass sie eure Politik scheiße finden.“ Am Schluss fordert er seine Zuschauer auf, mit den Eltern und Großeltern über die Fehler der Parteien zu diskutieren. „Peace, ich bin raus“, so verabschiedet er sich. Unter dem Video steht noch die Aufforderung, zur Europawahl zu gehen. Von Politikverdrossenheit früherer Generationen keine Spur.