Wieder Streit um Rabbinerschule in Potsdam

In die liberale Rabbinerschule in Potsdam soll nach Vorwürfen wegen Machtmissbrauchs wieder Ruhe einkehren. Doch die Suche nach einem Neuanfang löst viele Ko...

ARCHIV - Blick auf einen Davidstern als Wandbild in einer Synagoge.  /Symbolbild
ARCHIV - Blick auf einen Davidstern als Wandbild in einer Synagoge. /SymbolbildHeiko Rebsch/dpa/Zentralbild/dpa

Berlin/Potsdam-Der Streit um einen Neuanfang für die liberale Rabbinerschule Abraham Geiger Kolleg in Potsdam ebbt nicht ab. Die Jüdische Gemeinde zu Berlin teilte mit, dass sie die Trägerschaft der Einrichtung übernommen habe und sich dafür einsetzen wolle, „die Gemüter zu befrieden“. Der Zentralrat der Juden in Deutschland - ein Geldgeber für das Kolleg - lehnte die neue Trägerschaft am Donnerstag jedoch ab. Nach Vorwürfen des Machtmissbrauchs und mehreren Untersuchungen wird seit 2022 um eine neue Struktur für die Rabbinerausbildung in Potsdam gerungen.

Der Zentralrat der Juden teilte zur neuen Trägerschaft am Donnerstagnachmittag mit: „Wir sind erstaunt über diesen Deal, der uns keinen Schritt dabei weiterbringt, die liberale und konservative Rabbinerausbildung für die Zukunft zu sichern.“ Es werde rechtlich geprüft, ob der Zentralrat die Rabbinerausbildung in Potsdam unter diesen Umständen weiter fördern könne. Das Abraham Geiger Kolleg erhält auch Geld vom Bund, der Kultusministerkonferenz und vom Land Brandenburg.

Die Übertragung der GmbH-Anteile des Abraham Geiger Kollegs und des Zacharias-Frankel-Colleges durch Walter Homolka an die Jüdische Gemeinde zu Berlin sei ohne Rücksprache mit den Studierenden, Beschäftigten oder den Zuwendungsgebern erfolgt, kritisierte der Zentralrat der Juden. Die Organisation lässt selber ein neues Konzept für die Rabbinerausbildung in Potsdam entwickeln. Eine Machtkonzentration solle künftig ausgeschlossen werden, hieß es. Zudem hatte die bisherige Interimsdirektorin des Kollegs, Gabriele Thöne, angekündigt, die Einrichtung solle neu strukturiert werden und in eine Stiftung übergehen. Auch daran gab es Kritik.

Seit langem sorgten Vorwürfe von Machtmissbrauch und sexualisierter Belästigung an der liberalen Rabbinerschule und die Suche nach einem Neuanfang für Streit. Der Zentralrat der Juden sieht ein persönliches Fehlverhalten beim Gründer und früheren Rektor der Rabbinerschule Abraham Geiger Kolleg (AGK), Walter Homolka. Dieser bestreitet die Vorwürfe vehement, zog sich aber von seinen Ämtern zurück.

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Gideon Joffe, sagte laut Mitteilung: „Die oberste Priorität ist für uns im Moment, das AGK in ein ruhiges Fahrwasser zu bringen und den Studierenden den Weg zu ebnen, ihre Ausbildung in einer stabilen Struktur fortzuführen.“ Am 10. Januar 2023 seien alle Anteile des als gemeinnützige GmbH firmierenden Kollegs übernommen worden. Die Trägerschaft lag demnach zuvor bei der Leo Baeck Foundation. Von ihr habe die Berliner Gemeinde auch die Trägerschaft des für die Ausbildung konservativer Rabbiner zuständigen Zacharias-Frankel-College übernommen. Beide Einrichtungen sind An-Institute der Universität Potsdam.

„Die Neustrukturierung wird natürlich einige Zeit in Anspruch nehmen, wichtig ist uns jedoch, diesen Prozess unter Einbeziehung aller relevanten Vertreter des liberalen Judentums, der Belegschaft und der Studierendenvertreter zu erarbeiten und umzusetzen“, teilte ein Sprecher der Jüdischen Gemeinde am Donnerstag mit. Sie hat nach eigenen Angaben rund 9000 Mitglieder. Der für Religionsgemeinschaften zuständige Berliner Senator Klaus Lederer (Linke) befürwortet laut Mitteilung die Entscheidung der Jüdischen Gemeinde.