Christian "Flake" Lorenz, Keyboarder der Band Rammstein.
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BerlinDie einen sagen „Beitritt“, die nächsten sprechen von „Übernahme“, andere von „Kolonialisierung“. Christian Lorenz, Spitzname Flake, Musiker der Band Rammstein, drückte sich ein wenig drastischer aus: Die Wiedervereinigung sei im Großen und Ganzen eine Sauerei gewesen, sagte er in einem Interview mit dem österreichischen Standard.

„Wir wurden als unnützes Land angegliedert, ganze Biografien für wertlos erklärt, Firmen geschlossen, damit sich die Westfirmen breitmachen konnten. Wir sind so sehr zurückgesetzt worden, dass sich ein Groll und eine Enttäuschung aufgebaut haben, die bis jetzt anhalten.“ Das klingt nicht so nett, wie das, was man in den Reden zu den jährlichen Feiern am 3. Oktober in den vergangenen Jahrzehnten von den Tribünen hörte; da dominierte die Erzählung vom Erfolg der Einheit, Flake aber kommt der Gefühlslage vieler Ostdeutscher näher.

Wende vs. Wiedervereinigung

Flake war in der DDR Punk, er trennt zwischen Wende und Wiedervereinigung. Nach der Wende habe eine offene, spannende Zeit begonnen, die mit der schnellen Wiedervereinigung abrupt zu Ende gegangen sei. Klar, eine Mehrheit hatte im März 1990 für den Beitritt gestimmt. Aber hatten die Menschen geahnt, was das für sie bedeutete?

Die Einheit als Beitritt galt als „alternativlos“. Alle Vorschriften und Regeln aus der Bundesrepublik mussten übertragen werden, ohne zu gucken, was im Osten funktionierte oder im Westen reformbedürftig war.

Auch der Westen hat gewonnen

Im Herbst wird zum dreißigsten Mal die Einheit gefeiert – und es wird Zeit, ungeschönt über die Fehler und die verpassten Chancen der Vereinigung zu reden. Die Westdeutschen wenden meist ein, dass sie sich Dankbarkeit von den Ostdeutschen wünschen, da sie mit ihrem Geld doch den Schrottstaat DDR aufgebaut haben.

Doch da fehlt etwas, denn auch die Westler haben gewonnen, was Karriere- und Gewinnchancen, und Immobilienbesitz angeht. Firmen profitierten von zwei Millionen qualifizierten Fachkräften, die nach 1990 in den Westen gingen. Die DDR war also ganz und gar kein unnützes Land.