Die wollen alle: EIne Atemschutzmaske mit Desinfektionsmittel.
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BerlinKeine Ware ist in den Tagen der Pandemie wertvoller als die Schutzmaske für das medizinische Personal. Vor kurzer Zeit sind diese Masken noch für Centbeträge verkauft worden. Nun aber sind sie Gold wert, denn jedes Land braucht sie. Und einige sind nicht gerade zimperlich in ihren Methoden, um an das begehrte Gut zu kommen.

Berliner Polizei geht leer aus

So beklagte die Berliner Polizei am Freitag den Verlust von 200.000 FFP2-Masken, die aus China kommen sollten und offenbar auch schon bezahlt worden waren. Am Flughafen Bangkok wurde die Lieferung allerdings in die USA umgeleitet, angeblich auf Druck der US-Behörden.

Der Berliner Innensenator beklagte am Freitag umgehend einen „Akt moderner Piraterie“ durch die USA. Allerdings sollen die Masken bei der Firma 3M bestellt worden sein, einer US-Firma, die auch in China produziert.

Am Sonnabend berichtete das Portal t-online.de  unter Berufung auf einen hohen US- Regierungsbeamten, die Vorwürfe aus Berlin seien „komplett falsch“. Die Firma 3M erklärte am Freitagabend (Ortszeit): „3M hat keine Beweise, die darauf hindeuten, dass 3M-Produkte beschlagnahmt worden sind. 3M hat keine Unterlagen über eine Bestellung von Atemschutzmasken aus China für die Berliner Polizei.“

Der Berliner Senat bemüht sich nun um Aufklärung, was genau mit einer aus Asien stammenden Lieferung von 200 000 Schutzmasken passiert ist, die nie in der Hauptstadt ankam. „Wir sind dabei, die Details zu klären“, sagte der Sprecher der Innenverwaltung, Martin Pallgen.  Insgesamt habe die Berliner Polizei bei einem deutschen Fachhandel 400 000 medizinische Masken der Schutzklasse FFP-2 bestellt und bezahlt, erläuterte Sprecher Pallgen. Er korrigierte damit Angaben der Innenverwaltung vom Vortag, in denen von einer Bestellung bei einem US-Hersteller die Rede gewesen war. Die Aussage, dass die Masken in Bangkok konfisziert worden seien, basiert dem Sprecher zufolge auf Angaben des Fachhändlers. „Dieser hat die Berliner Polizei über den Sachverhalt informiert.“ Die Firma habe auch mitgeteilt, dass das Flugzeug mit den für Berlin bestimmten Masken Bangkok in Richtung USA verlassen habe. Bei den fraglichen 200 000 Masken handele es sich um die erste Charge der Bestellung, sagte der Sprecher. Gemeinsam mit dem Fachhandel und der Berliner Polizei versuche der Senat nun, die genaue Lieferkette nachzuvollziehen. 

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Männer mit Geldkoffern?

„Wildwestmethoden“ beim Ankauf von Masken, beklagte diese Woche  der bayerische Ministerpräsident Markus Söder noch vor dem Berliner Fall. In einigen Medien war zu lesen, dass vor chinesischen Firmen, die Schutzmasken produzieren, Männer mit Geldkoffern auf und ab gehen, um die Ware aufzukaufen.

Deshalb ist der Bund nun dazu übergegangen, die Schutzausrüstung zentral zu beschaffen und zu verteilen, weil die einzelnen Kliniken und Heime auf dem umkämpften Markt gar keine Chance hätten, an Ware zu kommen. Der Materialmangel ist neben den immer noch steigenden Zahlen von Kranken das bestimmende Thema in der Corona-Krise.

Spahns große Sorge

Das bestätigt Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) an diesem Freitag noch einmal. Es gebe wenige Themen, die ihn in den letzten Tagen und Wochen so umgetrieben hätten, wie die Frage nach der Beschaffung von Schutzkleidung, sagt Spahn. „Was antwortet man einer Krankenschwester, wenn sie einem erklärt, dass sie mit ungenügender Schutzkleidung Corona-Infizierte pflegen soll?“

Deshalb ist Spahn am Freitag nach Apfelstädt in Thüringen gefahren. Jetzt steht er vor einem Lastwagen der Firma Fiege und gibt eine Pressekonferenz. Der Wagen ist offen, im Inneren stapeln sich Kisten. Die Botschaft ist eindeutig: Es kommt wirklich etwas an hier in Apfelstädt, und es geht auch gleich wieder hinaus ins Land. Wie genau, das, erklärt der Chef des Familienunternehmens, Jens Fiege, den Besuchern.

„Wir haben gemeinsam mit dem Bundesgesundheitsministerium eine Lieferkette aufgebaut, die schnell, sicher und stabil ist“, sagt er. Ungefähr acht Millionen FFP2-Masken werden bis Ende dieser Woche hier umgeschlagen sein, sagt er. FFP-Masken haben einen eingebauten Filter und schützen sowohl vor der Verbreitung von Viren als auch vor einer Ansteckung. Sie sollten Krankenhauspersonal und medizinischen Fachkräften vorbehalten bleiben.

Millionenlieferung aus China - wenn es klappt

Bei den einfacheren OP-Masken, die man nur einmal verwenden kann, liege man im deutlich zweistelligen Millionenbereich, sagt Fiege. Nächste Woche soll es mehr sein. Sicher ist das aber nicht, denn man habe in China schon Lieferungen schriftlich zugesagt bekommen, die dann doch nicht erfolgt seien.

Wenn es aber doch klappt mit dem Ankauf, dann geht alles sehr schnell. Die Schutzmasken werden in Shanghai noch vor Ort vom TÜV Nord geprüft und nach der Freigabe mit der Lufthansa nach Frankfurt am Main geflogen. Dort werden sie auf Sattelschlepper geladen und unter Polizeischutz nach Apfelstädt im Landkreis Gotha gebracht. 

Zentrale Verteilung auf die Länder

Von hier aus erfolgt die Verteilung auf die Bundesländer. Eine Lieferung aus China kann so innerhalb eines Tages abgewickelt werden, sagt Fiege. Fast 200 Mitarbeiter seien damit zum Teil rund um die Uhr und am Wochenende beschäftigt.

Verteilt wird nach einem bestimmten Schlüssel auf die einzelnen Bundesländer, die die Weitergabe in eigener Regie vornehmen. Der Fokus liegt dabei auf den Krankenhäusern, erklärt Spahn. Einen Teil des Materials verteilten die Kassenärztlichen Vereinigungen aber auch an die Praxen niedergelassener Ärzte. „Das ist erst der Anfang der Epidemie, aber auch der Materialbeschaffung“, sagt Spahn. “

Produktion im Inland

Man nehme den ausländischen Händlern ab, was man kriegen könne, so Spahn weiter. „Nach dem tiefen Tal, durch das wir in den letzten beiden Wochen gegangen sind, ist das eine Entlastung. Aber es ist noch nicht ausreichend.“

Damit nun auch in Deutschland mehr Schutzmasken hergestellt werden, sei man mit verschiedenen Unternehmern im Gespräch. Viele wollten einsteigen, wenn Abnahme und Preis gesichert sei. Sein Ministerium hole gerade Angebote für entsprechende Vereinbarungen ein, die dann zunächst einmal bis zum Ende des nächsten Jahres gelten sollten. Man plane darüber hinaus aber auch einen dauerhaften Ausbau der eigenen Produktion in Deutschland.

Spahn schätzt, dass in den Kliniken, Praxen und Pflegeheimen pro Monat 100 Millionen einfache Schutzmasken pro Monat gebraucht werden.