Putin in Bildern.
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Moskau -Die neue Verfassung in Russland gibt dem amtierenden Präsidenten Wladimir Putin die Möglichkeit, bis 2036 zu regieren. Er wäre dann 83 Jahre alt. Das ist im sowjetischen Vergleich eine solide Marke, international ist das mittlerweile ebenfalls nichts Ungewöhnliches: Sollte Joe Biden im November zum Präsidenten der USA gewählt werden, wäre er nach einer Amtszeit von acht Jahren 85 Jahre alt. Hält Putin seinen Maximal-Kurs durch, wäre er am Ende, mit kleinen Unterbrechungen, ganze 37 Jahre an der Macht gewesen. 

Lange Regentschaften sind in keinem Land der Erde ein Erfolgsrezept. Niemand, der auch nur einigermaßen demokratisch denkt, würde sich im Westen wünschen, dass die Amtszeit eines einzelnen Politikers niemals enden möge. Das Argument, Putin sei wenigstens berechenbar und daher der bessere Ansprechpartner als irgendein radikaler Nationalist, greift auch nicht: Wenn jemand so lange regiert, hat er in der Regel all seine Feinde eliminiert. Er kann nicht ohne äußerste Brutalität überleben. Um jeden Langzeit-Regenten scharen sich die Günstlinge, Ja-Sager und Intriganten.

Für den Westen ist das Russland hinter Putin ein schwarzes Loch. Niemand kann vorhersagen, wer die nächste Generation von Politikern ist. Niemand kann beurteilen, was das russische Volk will: Wenn ein Politiker so lange an der Macht ist, beherrscht er die Propaganda nach innen und nach außen. Das Referendum zeigt, wie weit sich ein abgehobener Herrscher vom Volk entfernt haben kann: Die Russen mussten in Bausch und Bogen über ein ganzes Bündel komplexer Fragen wie Homo-Ehe, Gewaltenteilung oder Minderheitenschutz abstimmen – mit einem einzigen Ja oder Nein. Das ist absurd, weil jeder Mensch auf jede Frage separat antworten können muss. In der Schweiz würde es zu jedem dieser Themen eine eigene Volksabstimmung geben. An dieser Präzision erkennt man eine lupenreine Demokratie.