Wildtierretter trägt einen Koala aus einem brennenden Wald.
Foto: David Mariuz/dpa

TOCHTER: Mama, können wir für Australien spenden, entweder für die Feuerwehr oder für die Tierauffangstation? Die müssen wegen der Buschbrände so viele Menschen und Tiere retten. Wir könnten doch die Arbeiten unterstützen.

MUTTER: Hm, ich bin nicht überzeugt. Warum diese Organisationen?

Ich habe Spenden für Australien gegoogelt. Da waren mehrere Tierauffangstationen angezeigt für Koalas, für Kängurus, für Auswilderungen nach dem Brand, und auch die Feuerwehr hat um Hilfe gebeten. Ich finde es wichtig, dass man was tut.

Das klingt, als ob wir nie irgendwas tun würden.

Das sage ich doch gar nicht.

Vielleicht liegt es ja daran, dass ich gerade von der Arbeit nach Hause komme, Kopfschmerzen habe und mich überfallen fühle. Aber ich fühle überhaupt keine Spendenbereitschaft.

Warum denn nicht, denkst du, spenden bringt nichts?

Australien ist ein wirklich wohlhabender Staat, der das Problem allein in den Griff kriegen kann, anders als Haiti nach dem großen Erdbeben vor Jahren. Aber ich habe auch ein eher generelles Problem mit dem Geldspenden. Ich bin nicht davon überzeugt, dass das wirklich hilft.

Weil du denkst, dass ein kleiner Beitrag nichts bringt?

Mir ist das zu ziellos. Mir fallen sofort Hunderte Probleme auf der Welt ein, in anderen Ländern, aber auch in unserm Land. Warum Australien? Warum nicht Bahnhof Zoo, Bahnhofsmission?

Das ist eine Ausrede.

Na ja, es ist schon etwas anderes. Die Hilfe ist konkreter, vorstellbarer. Ich habe überhaupt nichts dagegen, unsere kranke Nachbarin zu pflegen oder für den Opa gegenüber mit einzukaufen. Ich helfe Leuten beim Umzug und beim Hausbau. Mit fehlt bei Australien einfach der Bezug. Ich sehe die Brände im Fernsehen, ich kann mir vorstellen, dass dort Hilfe gebraucht wird, aber ich habe trotzdem keine direkte Beziehung.

Aber mich trifft das total. Wenn ich diese Bilder sehe von den brennenden Tieren und den Menschen, deren Häuser total zerstört sind, dann nimmt mich das mit. Ich kann ja jetzt nicht nach Australien reisen und dort Wasser mit dem Eimer ins Feuer schütten. Aber ich kann die Leute über einen Umweg unterstützen. Und das geht am besten mit Geld.

Du fühlst dich dann besser?

Ich habe dann das Gefühl, dass ich einen Beitrag geleistet habe. Ich tue nicht viel. Ich spende nicht mein gesamtes Geld, aber mein kleiner Beitrag, 20 oder 50 Euro, hilft trotzdem. Das machen ja viele Menschen.

Und ich denke, es ist eben genau das nicht: aktiv etwas tun. Es geht mir nicht um Kontrolle. Ich bin gar nicht misstrauisch, dass das Geld auch ankommt. Mir ist das zu abstrakt, es ist keine direkte Hilfe, die ich selbst leiste. Ich will ein Gegenüber.

Ich finde es schlau, wenn man nicht selbst helfen kann, Menschen zu unterstützen, die es können: die Feuerwehrleute, die Tierschützer. So hat Geld doch mal einen echten Nutzen.

Mir fehlt das Gefühl, dass ich persönlich etwas mache. Ich kann nicht mal beurteilen, ob meine Spende bei dieser oder einer anderen Organisation besser aufgehoben ist.

Also, du möchtest doch kontrollieren.

Ich möchte entscheiden können, ob ich das für sinnvoll halte oder nicht.

Klar, du weißt nicht, ob von deinem Geld ein Sack Futter gekauft wurde oder was anderes. Aber du könntest ja hinterher die Berichte dieser Organisationen lesen. Dann weißt du, was du gemacht hast.

Es ist trotzdem abstrakt. Direkt ist, wenn ich jemandem zehn Euro in die Hand drücke.

Aber du weißt nicht, was er damit macht.

Das ist mir egal. Es ist ein konkreter Vorgang. Ich bin nicht entfremdet von der eigentlichen Hilfe. Ich helfe lieber persönlich.

Ich finde spenden trotzdem gut. Wenn du nicht willst, dann spende ich eben alleine.