Kraftklub hat sich noch nie davor gedrückt, gesellschaftliche Missstände beim Namen zu nennen. „Und selbst wenn alles scheiße ist, du pleite bist und sonst nix kannst / Dann sei doch einfach stolz auf dein Land / Oder gib die Schuld ein paar ander’n armen Schweinen / Hey, wie wär’s denn mit den Leuten im Asylbewerberheim“, skandiert Felix Kummer, der Frontmann der Band, in dem Song „Schüsse in die Luft“.

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Seit 2009 sind die fünf Chemnitzer von Kraftklub als Band auf deutschen Bühnen unterwegs. Bekannt sind sie vor allem für fulminante Festival-Konzerte und ihr Engagement gegen rechts.

„Da warst du entweder Fascho oder Zecke"

Eigentlich wollte Kummer nie politische Texte schreiben, aber unpolitisch zu sein, war für ihn ebenfalls keine Option. Vielleicht gehört das als Musiker dazu, wenn man nach der Wende in Chemnitz aufwächst und sich die Jahrgangsstufe in Springer-Stiefel-Träger und Rock’n’Roll-Hörer aufteilt. „Da warst du entweder Fascho oder Zecke, nichts dazwischen“, sagte Kummer mal in einem Interview.

Für mehr Menschlichkeit

Die jüngsten Ausschreitungen in ihrer Heimat machen Kraftklub nicht sprachlos, sondern lassen sie laut werden: Unter dem Motto „Wir sind mehr“ geben sie an diesem Montagabend in Chemnitz ein Konzert – gegen Fremdenfeindlichkeit und für mehr Menschlichkeit. Und sie sind nicht allein: Auch Die Toten Hosen, K.I.Z., Casper, Marteria und Feine Sahne Fischfilet werden unter dem übergroßen Karl-Marx-Monument, dem sogenannten Nischel, auftreten. Genau an der Stelle, wo am vergangenen Montag der rechtsradikale „Trauermarsch“, eine Mischung aus alter und neuer Rechter sowie „besorgten Bürgern“, vorbeizog – aus der Sicht von Kraftklub ganz einfach „Vollidioten“.

Diese Bands spielen heute Abend!

Binnen kurzer Zeit zeigten sich auf Facebook über 70.000 Menschen an der Kraftklub-Veranstaltung interessiert, über 15.000 sagten bereits zu. Der Eintritt ist frei, eine Übernachtungsbörse gibt es auch schon.

Zeigen, dass sie nicht alleine sind

„All den Menschen, die von Neonazis angegriffen wurden und die für Werte wie Toleranz, Respekt und Menschlichkeit einstehen“ wolle man zeigen, dass sie nicht alleine sind, heißt es in der Ankündigung – auch nicht in Chemnitz, wo die rechte Szene groß und vernetzt ist. Kummer und seine Band-Kollegen sind trotzdem oder gerade deswegen nie aus der Stadt weggezogen. „Auch wenn andere Städte scheiße sind, ich will nicht nach Berlin“, heißt es in ihrem gleichnamigen Lied.

Der Montagabend wird ein Heimspiel für sie – und vielleicht die größte Demonstration gegen rechts, die Chemnitz je erlebt hat.

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3sat überträgt das Konzert live ab 19.20 Uhr.