Berlin -  Was dem einen sin Uhl, ist dem anderen sin Nachtigall: Astrazeneca soll nicht mehr an Unter-60-Jährige verimpft werden – das erhöht schlagartig die Chance der Altersgruppe 60plus, den rettenden Schuss zu erhalten. Her damit. Ich freue mich drauf. Als die Nachricht kam, werde ich wohl so ähnlich ausgesehen haben wie die Bundeskanzlerin, als sie während der Pressekonferenz gefragt wurde, ob sie sich denn nun auch impfen lassen werde: Ein Freudestrahlen huschte über ihr Gesicht, als sie sagte: „Die Möglichkeit, sich impfen zu lassen, ist für mich näher gerückt.“ Es komme jetzt darauf an, wie das Land Berlin die neue Situation umsetze. Ab sofort warten jedenfalls zwei Mittsechzigerinnen auf die Impf-Info. Und dann auf nach Tempelhof!

Für die Impfkampagne mag das wie ein Rückschlag aussehen, doch nun führt kein Weg mehr an der schnellen Öffnung der starren Impfordnung vorbei, deren Hauptziel es war, durch Priorisierung hässliche Regungen, die im Volkskörper schlummern und jederzeit erwachen können, im Zaum zu halten. Den Neid vor allem. Wir haben solche Aufwallungen erlebt. Nun werden bald die Hausärzte ihren Job tun. Auch wenn dann ein paar Dosen mal nicht nach Tabelle vergeben werden – Hauptsache, es geht voran.

Der Beschluss, Astrazeneca nicht mehr an thrombosegefährdete Jüngere zu vergeben, erscheint plausibel. Und: Dass neue Erkenntnisse über das Virus oder die Vakzine auftauchen, kann doch wirklich nicht überraschen.  Pandemien sind mit den Mitteln von Routinepolitik nicht zu beherrschen, auch wenn Politiker, die nicht in der Verantwortung stehen, gerne diesen Eindruck erwecken. Dass Überraschungen, vor allem böse, rasche politische Reaktionen auslösen, beruhigt mich. Ein Zickzackkurs kann dann zum kurzen Weg Richtung Erfolg werden. Hasen auf der Flucht wissen das.