#wirsindmehr in Chemnitz: Weitere Konzerte und Demonstrationen gegen Rassismus und Rechtsextremismus geplant

Nach dem #wirsindmehr-Konzert am Montag sollen in Chemnitz die musikalischen Protestaktionen nicht abreißen. In den kommenden Wochen werden immer wieder Konzerte gegen Rassismus, für Toleranz und Weltoffenheit in der sächsischen Stadt veranstaltet. Während mit dem Aufgebot am Montag eher Rock- und Rapfans angesprochen wurden, wenden sich jetzt die Theater Chemnitz mit einem Klassik-Konzert an die Bevölkerung.

Chemnitz als Stadt der Diskursoffenheit

„Wir wollen, dass Chemnitz für alle Bürger eine Stadt der Diskursoffenheit ist und bleibt– mit einer Kultur, die Respekt im Miteinander lebt“,  sagte Christoph Dittrich, Generalintendant der Theater Chemnitz am Dienstag. Unter dem Motto „Gemeinsam stärker – Kultur für Offenheit und Vielfalt“ wird am Freitagabend Beethovens Sinfonie Nr. 9 in D-Moll unter freiem Himmel auf dem Theaterplatz aufgeführt. Auch bekannt ist das Stück als „Ode an die Freude“ – das Hauptthema ist seit 1985 die offizielle Europahymne.

Mit Beethovens Neunter gegen Fremdenfeindlichkeit

Bereits 2015 kam das Stück in einer politisch brisanten Situation zum Einsatz: Eine Kundgebung der AfD wurde damals in Mainz durch die wiederholte Darbietung der Sinfonie auf den Treppen und im Foyer des Staatstheaters gestört. Ein Verfahren gegen den Intendanten des Staatstheaters wegen Störung einer genehmigten Veranstaltung wurde eingestellt. Auch Freitagabend findet die Aufführung in Chemnitz unweit einer Demonstration statt. Nach Angaben der Chemnitzer Stadtverwaltung plant die Wählervereinigung „Pro Chemnitz“ um 18.30 Uhr eine Kundgebung am Karl-Marx-Monument mit rund tausend Teilnehmern. Bisher ist nicht bekannt, wie viele Besucher bei dem „Gemeinsam Stärker“-Konzert um 19 Uhr erwartet werden.

Für das Klassik-Open-Air wirken Solisten und Chöre der Oper Chemnitz, die Robert-Schumann-Philharmonie, außerdem die Singakademie Chemnitz, der Universitätschor der TU Chemnitz sowie Mitglieder verschiedener, teils überregionaler Chöre unter der Leitung des Generalmusikdirektors Guillermo García Calvo zusammen. Ballett- und Schauspieleinlagen werden die Aufführung ergänzen.

Weitere Konzerte am Chemnitzer Karl-Marx-Monument geplant

Calvo, der selbst spanischer Herkunft ist, sagte im Vorhinein über den Zweck des kostenfreien Konzerts: „Musiker und Künstler können nicht die Welt retten, aber wir haben ein Mittel, das hilft: die Musik. Wir möchten mehr denn je mit unseren unterschiedlichen Lebenswegen und Herkunftsorten ein deutliches Zeichen des respektvollen Umgangs im Miteinander setzen. Unsere Arbeit soll helfen, die Risse zu kitten und ein Miteinander herzustellen.“

Neben dem Konzert wird es auch andere Protestaktionen gegen die Kundgebung von Pro Chemnitz geben. Das Bündnis Chemnitz Nazifrei rief in den sozialen Netzwerken zu einer Gegendemonstration auf. Außerdem sind in den kommenden drei Wochen weitere Konzerte gegen Rechts am Karl-Marx-Monument geplant, organisiert von den Initiatoren des #wirsindmehr-Konzerts. Welche Künstler dort auftreten werden, ist allerdings noch nicht bekannt.

Brücken in der Chemnitzer Bevölkerung bauen

Die Stadt Chemnitz plant, in den kommenden Monaten Bürgerdialoge und Veranstaltungen zu den Themen Sicherheit, Zuwanderung und Rechtsextremismus zu organisieren. Im Oktober wird Bundeskanzlerin Angela Merkel voraussichtlich die Stadt besuchen und dort mit Bürgern ins Gespräch kommen. Die Oberbürgermeisterin der Stadt, Barbara Ludwig, sagte in einem Interview mit Spiegel Online, sie wolle so Brücken bauen: „Die Bürger müssen die Möglichkeit haben, Frust, Wut, Ängste, Probleme auszusprechen.“

In Chemnitz war Ende August ein Deutscher erstochen worden. Tatverdächtig und in Untersuchungshaft sind derzeit ein Iraker und ein Syrer, nach einem dritten Tatverdächtigen wird gefahndet. Nach der Tat war es zu Demonstrationen von Rechtsgerichteten sowie zu Gegenprotesten gekommen. Bei den fremdenfeindlichen Aufmärschen war es auch zu gewalttätigen Übergriffen gekommen.

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