Berlin - Kommunale Krankenhäuser in Deutschland haben am Donnerstag für bessere Arbeitsbedingungen gestreikt. Nicht in Berlin, wo Tarifverträge an der Charité und bei Vivantes Pflegekräfte künftig besser entlasten sollen, ansonsten bundesweit. Doch auch in Berlin reduziert die Landesregierung ihre Investitionen in die stationäre medizinische Versorgung. Corona? Überlastete Intensivstationen? Inzidenzen als Gradmesser eines Systemversagens? War da was?

Während 100 Milliarden Euro im Handumdrehen für militärische Aufrüstung bereitgestellt werden, für ein Konzept, das eher Probleme schafft, als sie zu verhindern, wird in einem anderen lebensgefährlichen Bereich seit Jahren gespart, in dem ein vergleichsweise starkes finanzielles Engagement sehr viel bewegen könnte. Die politisch vorangetriebene Ökonomisierung des Gesundheitswesens, die Privatisierung eines existenziellen Teils der Daseinsvorsorge, bedient Interessen großer Konzerne. Das ist bekannt, die Motivation angesichts eines gigantischen Markts nicht erstaunlich. Erstaunlich ist der Verdrängungsmechanismus in der Gesellschaft.

Niemand möchte mit seinen gesundheitlichen Problemen an eine Pflegekraft geraten, die gestresst, überfordert, depressiv, von Angststörungen geplagt ist. Niemand möchte vergeblich nach Hilfe im Alter suchen, im Krankenbett alleingelassen sein, ohne Zuspruch sterben müssen. Immer öfter aber kommt das vor. Kaum jemanden scheint es zu interessieren. Kaum jemand begehrt dagegen auf.

Das ist umso erstaunlicher, da sich eine junge Generation darüber bewusst wird, welches Erbe sie antreten muss: Fridays for Future, das ist ihr Programm. Dazu gehört allerdings auch: Fridays for Pflege.