Einschusslöcher am Eingang zur Synagoge in Halle
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HalleDie Bekundungen des Entsetzens über den antisemitischen Terroranschlag von Halle sind vielfältig, und die Äußerungen der Anteilnahme mit den Angehörigen der Opfer bringen in solchen Fällen stets auch zum Ausdruck, dass es sich um einen Angriff von außen handelt. Es sind, meint man, wenige andere, die sich solch einen Hinterhalt auszudenken vermögen und noch weniger, die skrupellos genug sind, ihn in die Tat umzusetzen. Das Außen erscheint in diesen Momenten monströs, und an dem noch immer im Internet verfügbaren Video über die Tat erschreckt die Mischung als Kaltblütigkeit, Dummheit und blindwütigem Hass. Terror ist nicht die Normalität, auch wenn er aus ihr hervorgeht und oft auch sehr banale Züge trägt.

Ein Gesinnungstäter

Nichts allerdings ist irreführender, angesichts des Terroranschlags von Halle von einem Einzeltäter zu sprechen. Auch wenn der 27-jährige aus Sachsen-Anhalt stammende Stephan B. wie ein versprengter Desperado agiert haben mag, deutet doch alles darauf hin, dass es sich bei ihm um einen Gesinnungstäter handelt. Und wo es Gesinnung gibt, da ist auch eine Gemeinschaft, auf die er sich bezieht. Die Experten haben am Mittwoch nur wenige Stunden nach der Tat Parallelen zum Terroranschlag auf eine Moschee im neuseeländischen Christchurch hergestellt, und es spricht vieles dafür, dass die mörderische Gesinnung nicht zuletzt auch auf einer Radikalisierung im Internet basiert, der man noch immer hilflos gegenübersteht, weil es kaum möglich scheint, die Propaganda der Tat zu unterbinden.

Es gibt inzwischen fatalerweise auch eine Entsprechung im politischen Raum. Rechtsradikale Gesinnung oder zumindest die mangelnde Abgrenzung davon hat inzwischen auch eine Adresse im Deutschen Bundestag. Der Terror des Gesinnungstäters von Halle ist auch das Ergebnis einer ungenierten Etablierung von rechtsradikalen Ansichten in der politischen Debatte.