Wolfgang Schäuble über die AfD: „Man muss sich nicht einfach abfinden“

Berlin - Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hat im Umgang mit politischen Populismus und Rechtsextremismus vor Resignation gewarnt. Der Druck auf die Volksparteien sei ein generelles Problem in Europa. „Das Internet und die daraus entstehende Disruption verändern unsere Gesellschaft, unsere Familien, unser Alltagsleben, unsere Wirtschaft, unsere Städte“, sagte er im Gespräch mit der Berliner Zeitung. „Warum ist das so ? Darauf gibt es keine einfache Antwort.“ Aufzugeben sei dabei aber keine Alternative, erklärte der 76-jährige CDU-Politiker.

Aufzugeben ist keine Alternative

Daher müsse man sich auch nicht einfach mit der AfD abfinden. Zwar müssten die Menschen, die AfD wählen genauso ernst genommen und respektiert werden wie andere. „Und die, die gewählt sind, haben dieselben Rechte und Pflichten“, meinte Schäuble. „Aber auf lange Sicht heißt das nichts. Alles ist gestaltbar.“

Schäuble lobt Greta Thunberg

Ausdrücklich lobte er dabei das Engagement der 16-jährigen Klimaaktivistin Greta Thunberg als Vorbild: „Gucken Sie mal, was so ein junges Mädchen aus Schweden zustande gebracht hat.“ Jeder habe die Chance, dafür zu sorgen, dass sich etwas zum Besseren verändern. „Deswegen müssen wir uns nicht mit irgendwas abfinden, sondern wir müssen uns für das engagieren, was wir erreichen wollen. Jeden Tag aufs Neue.“

Schäuble betonte im Interview mit der Berliner Zeitung die Bedeutung der Beziehungen zu Polen. Am 1. September jährt sich der deutsche Überfall auf Polen, mit dem der Zweite Weltkrieg begann, zum 80. Mal. Dazu gibt es im Berliner Dom einen Gedenkgottesdienst, zu dem eine hochrangige Delegation aus Warschau anreist. „Erinnerungskultur hat ja auch damit zu tun, dass man versucht, aus dem, was war, für die Gegenwart und die Zukunft zu lernen“, meinte Schäuble. „Und die Polen haben von vorherein großen Wert darauf gelegt, dass wir das gemeinsam machen. Ich freue mich, dass wir diesen Gottesdienst gemeinsam begehen werden.“

„Wir haben immer eine Chance"

„Wir müssen uns für das engagieren, was wir erreichen wollen. Jeden Tag aufs Neue.“ Druck auf die Volksparteien sei überall in Europa zu spüren. Auf diese Entwicklung gebe es keine einfache Antwort, doch alles sei gestaltbar: „Wir haben immer die Chance, jeder von uns. Es ist alles offen“, sagte er.