„World Happiness Report“: Hier leben die glücklichsten Menschen der Welt

Rom - Finnen haben den Ruf, depressiv zu sein, viel Alkohol zu konsumieren und zum Selbstmord zu neigen. Kein Wunder, besagt das Klischee, das Land am nördlichen Rand Europas ist schließlich ungemütlich dunkel und kalt. Der am Mittwoch im Vatikan in Rom vorgestellte World Happiness Report 2018 widerlegt nun sämtliche Vorurteile: In Finnland leben demnach die glücklichsten Menschen der Welt.

Forscher des an der New Yorker Columbia Universität angesiedelten UN-Netzwerks für Lösungen zur nachhaltigen Entwicklung haben Daten aus den Sozialsystemen und Befragungen von Menschen aus 156 Ländern weltweit ausgewertet. „Glück basiert nicht nur auf Faktoren wie dem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, dem Zugang zur Gesundheitsversorgung und der Lebenserwartung“, sagte der kanadische Ökonom John F. Helliwell, Co-Autor des Glücksreports. „Auch die gefühlte Freiheit, das soziale Netz, der Grad der Korruption und Hilfe für andere spielen eine Rolle.“

Seit Jahren belegen nordeuropäische Länder im Ranking die Spitzengruppe. Hinter Finnland liegt dieses Mal Vorjahressieger Norwegen, danach folgen Dänemark, Island und die Schweiz. Deutschland, zuletzt Nummer 16, hat sich um einen Rang verbessert. Schlusslichter sind afrikanische Länder. Burundi belegt den letzten Platz, vor der Zentralafrikanischen Republik, Südsudan, Tansania und dem Bürgerkriegsland Jemen.

Doppelte Goldmedaille

Dass der Report im Vatikan vorgestellt wurde, hat damit zu tun, dass er sich erstmals auch dem Glücksempfinden von Migranten in 117 Ländern widmete. „Glück ist nicht rein individualistisch“, mahnte der Kanzler der Päpstlichen Wissenschaftsakademie, Marcelo Sanchez Sorondo. „Aber wir suchen meist nur unsere persönliche Befriedigung, statt andere in unser Glück einzuschließen.“

Eines wird im Report ganz klar: Je zufriedener die Einheimischen sind, umso glücklicher sind auch die Zuwanderer. Unter den Glücks-Top- Ten sind typische Einwanderungsländer wie Australien, Kanada und Neuseeland. Finnland ist auch hier Spitzenreiter. „Es hat eine doppelte Goldmedaille“, sagte Helliwell. Ausländische Zugezogene sind nämlich sogar einen Tick glücklicher als die Finnen selbst. Ganz entscheidend sei, dass Migranten gesellschaftlich akzeptiert werden, betonte Helliwell. Je weniger Leute etwas gegen ausländische Nachbarn haben oder dagegen, dass ein Ausländer in die Familie einheiratet, desto größer das Glück – auf beiden Seiten.

Der deutsche Agrarwissenschaftler Joachim von Braun, Präsident der Päpstlichen Akademie, verwies darauf, dass Deutschland eine Million Flüchtlinge aufgenommen hat und gleichzeitig im Glücks-Ranking aufrückte. „Diejenigen, die behaupten, dass Zuwanderung ein Land unsicherer und unzufriedener macht, finden also keine Belege.“

„Kaffee ist das offizielle Glücks-Getränk“

Allerdings klappt in Deutschland die gegenseitige Steigerung des Glücksniveaus nicht so gut. Migranten sind deutlich unzufriedener als Deutsche. Was das Glücksempfinden seiner im Ausland geborenen Bewohner betrifft, erreicht es lediglich Rang 28. Der Report liefert keine Erklärung für das Phänomen. Deutschland ist auch das einzige Land weltweit, in dem gesonderte Daten über Flüchtlinge vorlagen. Der Report berücksichtigt ansonsten nur freiwillige Auswanderer, die auf Arbeitssuche, wegen eines Jobangebots oder zum Familiennachzug emigriert sind.

Das Fazit: Flüchtlinge aus Kriegs- und Konfliktgebieten sind deutlich unzufriedener als andere Migranten. Ihre Lebenszufriedenheit nimmt ab, je länger sie in Deutschland sind. Wer freiwillig seine Heimat verlässt, steigert in den meisten Fällen sein persönliches Glücksniveau. Ausnahmen sind arme Landbewohner, etwa in China, die in Megastädte ziehen. Sie sind in der Regel unglücklicher als zuvor.

Ziel des Happiness Reports ist es, Glück als Maß für eine erfolgreiche Politik einzuführen. „Regierungen nutzen zunehmend Glücks-Indikatoren als Basis für politische Entscheidungen“, stellte der US-Ökonom Jeffrey Sachs fest, einer der Initiatoren. In Ländern wie Bhutan und den Vereinigten Arabischen Emiraten gibt es bereits Glücks-Ministerien. Finanziell unterstützt wurde der Report von der Stiftung des italienischen Kaffeeherstellers Illy. „Kaffee ist das offizielle Glücks-Getränk“, sagte Geschäftsführer Andrea Illy. Er rege nicht nur Stimmung, Geist und Intellekt an. „Wer ihn trinkt, hilft auch mit jedem Schluck bei der Entwicklung der Herkunftsländer.“