World Press Photo 2017 von Burhan Ozbilici zum Attentat in Ankara: Soll man so ein Foto zeigen?

Amsterdam - Was zeigen? Wann hinschauen? Dieses Bild etwa, aufgenommen direkt nach einem Mord, gerade gekürt zum World Press Photo – eine Zumutung für den Betrachter?  Eine Verhöhnung des Toten? Eine Dokumentation des Zustands der Welt? Eine Ermutigung für künftige Attentäter gar?

Zu sehen: Auf dem Boden das Opfer, erschossen. Es ist der russische Botschafter in der Türkei, eine Fotoausstellung wollte er eröffnen in Ankara im vergangenen Dezember. Neben der Leiche der Täter, ein junger Mann, schreiend, Fanatismus im Blick, in der rechten Hand die Mordwaffe, den linken Arm und Zeigefinger zum Tauhid-Gruß des IS gen Decke gestreckt.

Zeigen oder nicht? Nach der Tat hatten wir uns, unseren ethisch-journalistischen Grundsätzen folgend, dafür entschieden, nur den Täter, nicht den Toten zu zeigen. Jetzt zeigen wir das Foto komplett, aber in einer eher indirekten Form. Auf einer Leinwand  wird es während der Verleihung des Word Press Photo Awards an den Fotografen Burhan Ozbilici gezeigt.

Zufällig privat in der Ausstellung

Bei der Aufnahme handele es sich um ein „explosives Bild, das den Hass unserer Zeit abbildet“, teilt die Jury des weltweit wichtigsten Preises im Fotojournalismus mit. „Es ist die Verkörperung dessen, was das Welt-Pressefoto des Jahres ist und sein muss.“  Burhan Ozbilici, der als Fotograf für die Nachrichtenagentur Associated Press in der Türkei arbeitet, steht rechts auf der Bühne vor der Leinwand. 

Er war  zufällig  in der Ausstellung in Ankara damals,  privat. Als der Attentäter zu schießen begann, habe er fotografiert statt zu flüchten, sagt er. „Als Journalist fühlte ich die Verantwortung, zu bleiben und meine Arbeit zu machen. Auch wenn ich getötet würde, gäbe es immer noch Fotos.“ 

Die Jury hatte das Siegerfoto aus über 80.000 Einsendungen ausgewählt. Insgesamt wurden 45 Fotografen in acht Kategorien ausgezeichnet, darunter drei Deutsche. Die ausgezeichneten Fotos werden in einer Ausstellung gezeigt, die in zunächst am 14. April in Amsterdam und anschließend 45 Ländern zu sehen ist.