Wer einen Bundespräsidenten mitten in einer politischen Affäre berät, muss auf jegliche Freizeit verzichten. Kürzlich war Anwalt Gernot Lehr in Urlaub. Mit Blick auf schneebedeckte Berge kommunizierte der Medienprofi Lehr unentwegt in Sachen seines Mandanten Wulff, beantwortete Anfragen und organisierte Konferenzschaltungen. Wulff wurde mit Steuerhinterziehung in Verbindung gebracht? Kein Problem, Anwalt Lehr zieht seinen Steuerrechtler hinzu. Oder den Zinsexperten. Oder den Staatsrechtler. Wen auch immer. Für Wulffs Entlastung scheut der Anwalt keinen Aufwand.

Fast alles, was Wulff in den vergangenen Wochen mitzuteilen hatte, kam letztlich durch seinen Anwalt an die Öffentlichkeit. „Das ist in der Intensität schon etwas Besonderes“, sagt Gernot Lehr. Als Jurist beharrt er darauf, dass er nicht den Bundespräsidenten vertrete, „sondern Christian Wulff“. Während das Bundespräsidialamt verstummte und politische Freunde schwiegen, wurde Anwalt Lehr zu Wulffs schärfster Waffe. Nicht juristisch, denn Anklage hat gegen Wulff keiner erhoben. Aber politisch. Als Prellbock und Medienflüsterer in einem. Der stets beflissene Lehr ersetzt die gesamte Öffentlichkeitsarbeit des Präsidenten. Als „menschliches Schutzschild“ bezeichnen ihn daher manche.

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