Dubai - Der saudiarabische Blogger Raif Badawi offenbar keine Peitschenhiebe mehr erhalten. Dies hat die Botschaft des Königreiches Saudi Arabien in Berlin am Donnerstag dem NDR Medienmagazin „Zapp“ mitgeteilt. Zudem stellt Botschafter Prof. Dr. med. Ossama bin Abdul Majed Shobokshi in Aussicht, dass Badawi, nachdem die Auspeitschung gestoppt wurde, auch nicht seine gesamte Haftstrafe von zehn Jahren absitzen müsse.

Ein Ärzte-Komitee war nach einer Untersuchung des 30-Jährigen zu dem Schluss gelangt, dass dessen Gesundheitszustand zunächst keine weiteren Peitschenhiebe zulasse, teilte Amnesty International kurz zuvor mit. Amnesty verlangte die sofortige Freilassung Badawis.

Die Auspeitschung war für Freitag angesetzt, nachdem der ursprüngliche Termin eine Woche zuvor aus medizinischen Gründen abgesagt worden war. Die Wunden des Bloggers, der am 9. Januar die ersten 50 Peitschenhiebe über sich ergehen lassen musste, waren nach Angaben seiner Frau Ensaf Haidar noch nicht ausreichend verheilt. Badawi war zu 1000 Peitschenhieben verurteilt worden, nachdem er auf seiner Internetseite „Liberal Saudi Network“ immer wieder die Religionspolizei für ihre harte Durchsetzung der in dem wahhabitischen Königreich vorherrschenden strengen Auslegung des Islam kritisiert hatte. Im Jahr 2012 wurde er deshalb festgenommen und im November vergangenen Jahres wegen „Beleidigung des Islam“ verurteilt. Die Peitschenhiebe sollen auf 20 Wochen aufgeteilt werden.

Internationale Empörung

Der Fall des Bloggers sorgte international für Empörung. Die EU forderte am Donnerstag erneut ein Ende der Bestrafung. Ein solches Vorgehen sei „erniedrigend, inakzeptabel und verstößt gegen die Menschenwürde“, sagte eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini. Die EU und ihre Mitgliedstaaten stünden weiter im Kontakt mit den Behörden in Saudi-Arabien, um sich für Badawi einzusetzen. (afp/ots)