Der blutige Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern in Gaza hat sich auch am Donnerstag unvermindert fortgesetzt. Wieder wurden von der radikal-islamistischen Palästinenserorganisation Hamas unzählige Raketen Richtung Israel abgefeuert. Das israelische Militär wiederum setzte am Donnerstag seine massiven Angriffe auf das Küstengebiet fort. Einem Armeesprecher zufolge wurden in Israel bislang sieben Menschen durch Beschuss getötet. Im Gazastreifen starben nach Angaben des Gesundheitsministeriums 83 Menschen seit der Eskalation der Gewalt.

Wut und Hass sind inzwischen aber auch in der Bundesrepublik angekommen. Und wieder werden jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger für die Politik Israels in Sippenhaft genommen. In Münster und Bonn wurden israelische Flaggen vor Synagogen abgefackelt. Der Zentralrat der Juden in Deutschland twitterte ein Video, in dem eine Gruppe vornehmlich jüngerer Männer hasserfüllte Rufe gegen Juden skandierten. „Judenhass mitten in Gelsenkirchen vor der Synagoge“, schrieb der Zentralrat. „Zeiten, in denen Juden auf offener Straße beschimpft werden, sollten längst überwunden sein. Das ist purer Antisemitismus, sonst nichts.“ Die Protestierenden in Gelsenkirchen schwenkten nicht nur palästinensische, sondern auch türkische Fahnen – ein Umstand, der Levi Salomon in Hinblick auf die anstehenden Demonstrationen in Berlin am kommenden Sonnabend beunruhigt.

„Ich fürchte, es wird noch schlimmer als damals“, sagte Levi Salomon der Berliner Zeitung am Donnerstag. Er hat 2008 das Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA) gegründet und beobachtet die antijüdischen Proteste seit den 1990er-Jahren. Mit „damals“ meint er die antisemitischen Demonstrationen 2009 und 2014, zu denen Zehntausende Teilnehmer kamen, laut Salomon militärisch straff organisiert unter anderen durch Organisationen wie Milli Görüs und Ditib, die der türkischen Regierung nahestehen.

Demos zum Gazakrieg: Polizei verschärft Sicherheitsvorkehrungen

Bei der Berliner Polizei hat man derzeit keine Erkenntnisse dazu. In Neukölln sind gleich drei Demonstrationen angemeldet, alle zur Unterstützung der palästinensischen Seite. Sie wurden alle von Einzelpersonen angemeldet und geben Teilnehmerzahlen von 80 bis 250 an. Die Einsatzkräfte seien aber in der Lage schnell zu reagieren, wenn es doch deutlich mehr werden sollten, sagte die stellvertretende Polizeisprecherin Anja Dierschke der Berliner Zeitung am Donnerstag. „Wir beobachten die sozialen Medien, bewerten die Lage täglich neu.“ Allerdings wurden die Schutzmaßnahmen vor israelischen und palästinensischen Einrichtungen sowie vor den Synagogen verschärft. 

Eine erste Demonstration gab es bereits am Mittwochnachmittag in Neukölln. Etwa 200 Menschen demonstrierten vor dem Rathaus Neukölln für ein „Freies Gaza“. Sechs Personen wurden vorläufig festgenommen, weil sie sich nicht an die Hygieneregeln gehalten hatten. „Die Stimmung in der Kundgebung war stark emotionalisiert“, so die Polizei.

Berlin: Israel-Fahne gestohlen

In der Nacht zu Donnerstag wurde dann die Israelfahne gestohlen, die die CDU am Dienstag vor ihrer Parteizentrale aus Solidarität gehisst hatte. Laut Videoaufzeichnungen geschah dies gegen 23.30 Uhr. Eine Stunde später versuchten Unbekannte, die Israel-Fahne abzubrennen, die vor dem Rathaus Pankow gehisst worden war. Wie die Polizei mitteilte, hatten die Täter einen Müllcontainer vor den Eingang des Rathauses geschoben, ihn unter der Fahne platziert und dann entzündet. Die Feuerwehr löschte den Brand, die Fahne blieb unbeschädigt.

Der Pankower Bürgermeister Sören Benn (Linke) hatte an Mittwoch bereits von hasserfüllten Anrufen berichtet, nachdem die Fahne gehisst worden war. Pankow, so Benn, erinnert so jedes Jahr an die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und der Bundesrepublik am 12. Mai 1965. Zu beiden Vorfällen ermittelt der Staatsschutz.