Qualmwolken von Buschbränden ziehen von der australischen Känguru-Insel aufs Meer. 
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BerlinIn Australien brennt es seit Monaten: Menschen verlassen ihre Häuser und fliehen mit ihren Habseligkeiten. Die ölreichen Eukalyptusbäume explodieren, der Wind trägt die gleißenden Funken weiter. Verängstigte Koalas werden mit Verbrennung aus den Brandgebieten getragen. Auf dem Kontinent zeigt sich ein entsetzliches Inferno für Menschen, Tiere und die Natur. Es sind Horrorbilder, die uns aus dem weitentfernten Land erreichen.

Das unvorstellbare Ausmaß der diesjährigen Buschbrandsaison entsetzt uns. Mehr als 150 Feuer brennen im ganzen Land, viele davon völlig unkontrolliert. Mindestens 27 Menschen kamen bisher ums Leben, tausende Häuser wurden seit dem Beginn der Buschbrände zerstört. Nach Schätzungen des WWF und von australischen Wissenschaftlern sind mehr als eine Milliarde Tiere getötet worden, mehr als zehn Millionen Hektar Land sind verbrannt – eine Fläche, so groß wie Bayern und Baden-Württemberg zusammen.

Klimakrise verschärft Wetterereignisse

Australien zeigt uns, extreme Wetterereignisse werden durch die Klimakrise intensiver – und sie werden häufiger. Und klar ist: Die Klimakrise betrifft alle Menschen und alle Länder. Die Weltgemeinschaft ist im Moment weit davon entfernt, die Erderhitzung unter 1,5 Grad zu halten.

WWF
Zur Person

Eberhard Brandes ist seit 2006 geschäftsführender Vorstand des WWF Deutschland, Mitglied des globalen WWF Network Executive Teams (NET) und Sponsor der WWF Wildlife Practice. Zuvor arbeitete er von 1991-2006 in verschiedenen Führungspositionen in der medizintechnischen Branche, sowie zwischen 1987-1991 im pharmazeutischen Gewerbe. Eberhard Brandes studierte Wirtschafts- und Organisationswissenschaften in Hamburg.

Die Australierinnen und Australier sind ein Leben mit Buschfeuern gewöhnt. Doch die diesjährige Buschfeuersaison ist nicht mehr normal. Selbst die Frauen und Männer der australischen Feuerwehr berichten, dass die Brände intensiver und verheerender als früher sind. Fakt ist: Die Klimakrise verursacht keine Buschfeuer, aber sie macht sie schlimmer. Die weltweite Erderhitzung verstärkt Dürren und heizt Brände weiter an. Die durchschnittliche Temperatur in Australien lag im vergangenen Jahr 1,5 Grad über dem Durchschnitt. Zudem fielen dort so wenig Niederschläge wie noch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Mit natürlichen Einflüssen sind die extremen Temperaturen und die monatelangen Dürren in Australien nicht mehr zu erklären.

Besonders tragisch ist auch, dass Australien über eine einzigartige Tierwelt verfügt. Viele Arten sind ausschließlich dort auf dem Kontinent anzutreffen. Gerade die Beuteltiere haben sich unabhängig vom Rest der Welt entwickelt. Die bekanntesten Opfer der aktuellen Buschbrände sind die Koalas. Nach Schätzungen sind allein im Bundesstaat New South Wales 8400 Koalabären in den jüngsten Bränden umgekommen, fast ein Drittel der gesamten Bestände des Bundesstaates. Koalas könnten in der freien Natur in Ostaustralien in nur 30 Jahren ausgestorben sein, vor allem aufgrund der anhaltenden übermäßigen Abholzung von Bäumen für die landwirtschaftliche und städtische Entwicklung und der Klimaerhitzung. Die Brände wüteten in diesem Gebiet durch den Lebensraum der Koalas, was diese Zeitspanne möglicherweise beschleunigt. Das volle Ausmaß der Schäden wird bis zum Abklingen der Brände unbekannt bleiben.

Aktuelle Katastrophe ist auch hausgemacht

Die aktuelle Katastrophe ist auch eine hausgemachte Krise in Australien. Das Land ist der weltweit größte Exporteur von Kohle und Gas. Seit Jahrzehnten tritt Australien bei internationalen Abkommen zum Klimaschutz als Bremser auf, zuletzt im Dezember bei der Weltklimakonferenz in Madrid. Dort bildete das Industrieland eine Koalition der Unwilligen mit Brasilien, Saudi-Arabien und den USA. In diesem Jahr stehen die Erhöhungen der Klimaziele aller Staaten im Rahmen des Pariser Klimaabkommens an. Deutschland und die EU müssen als drittgrößter Emittent der Erde mit gutem Beispiel vorangehen und ihre Ambitionen zur Begrenzung der Erderhitzung auf 1,5 Grad verstärken. Zu einem verantwortlichen Handeln von uns allen zählt auch, dass deutsche Unternehmen sich nicht an dem Kohlegeschäft Australiens mit klimazerstörenden Infrastrukturen beteiligen.

In Australien zeigt sich jetzt, was uns in Zukunft weltweit droht. Wir müssen an unseren ambitionierten Klimaschutzzielen festhalten, wenn extreme Wetterlagen mit tödlichen Folgen für Mensch, Tier und Natur nicht Normalität werden sollen. Wir alle müssen einen Beitrag leisten und mit gutem Beispiel vorangehen, nicht nachlassen. Wenn wir nichts tun, werden bis zum Ende des Jahrhunderts eine Erderhitzung von vier oder fünf Grad haben. Auch Australien kann das Lenkrad noch versuchen rumzureißen, sich ambitionierte Klimaschutzziele bis zur nächsten Weltklimakonferenz im November setzen. Zehntausende Australierinnen und Australier kamen am Freitag landesweit zu Protesten zusammen und forderten ein Umdenken der eigenen Regierung. Ein starkes Zeichen. Das Jahr 2020 muss zu dem Jahr werden, in dem wir alle beginnen, unseren Beitrag gegen die Erderhitzung leisten zu wollen.