Delhi - Bislang zählte der 21. Juni zu den Tagen mit eingeschränktem Symbolwert. Ein Verein in Deutschland feiert an dem Datum den „Tag des Schlafs". Armin Hary lief am 21. Juni 1960 als erster Mensch die 100 Meter in 10,0 Sekunden. Richard Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg" wurde im Jahr 1868 uraufgeführt. Washingtons Abhörbehörde NSA würde das Datum lieber aus dem Kalender streichen, weil am 21. Juni 1983 jener Edward Snowden geboren wurde, der die weltweiten Spitzelaktivitäten des Amts enthüllte.  

Aber am 21. Juni wird weltweit der Tag im Zeichen eines „unschätzbaren Geschenks unserer uralten Tradition" stehen, wie Indiens hindunationalistischer Premierminister Narendra Modi die Verkündung des „Welt Yoga Tags" begründete. 191 Yoga-Lehrer sollen Menschen in ebenso vielen Ländern zeigen, wie die 5000 Jahre alte indischen Meditationstechnik „Geist und Körper" vereint.

Der Regierungschef, der vor etwas mehr als einem Jahr an die Spitze der größten Demokratie der Welt gewählt wurde, wird am Sonntag auf dem Rajpath, dem Paradegelände in der Hauptstadt Delhi, höchstpersönlich zu den erwarteten 35.000 Menschen sprechen, die den Yoga-Tag auch im Guiness-Buch der Rekorde verewigen wollen. Tausende von Beamten der Regierung erhielten erst erst vor wenigen Tagen eine deutliche Warnung. „Gehen Sie zum Yoga-Kurs", hieß es da, „oder wollen sie die Schuld am Scheitern des Rekordversuchs tragen, weil sie eine Position nicht beherrschen?"

Indiens Premier Narendra Modi im Lotussitz

Regierungschef Modi will sich selbst nicht auf die Yoga-Matte begeben, obwohl er sich bereitwillig im Garten seiner Residenz im Lotussitz ablichten ließ. Aber er macht sich viele Gedanken über den Ablauf. Vor ein paar Tagen riet der Hindunationalist für den Yogatag zur „Shashankasana-Pose", weil sie Stress und Ärger abbauen würde. Bei der auch als Hase bekannten Position ruht der Kopf vor den gebeugten Knie auf dem Boden und die Arme werden weit nach vorne gestreckt.

Diese Sorte von Bückling erntete Modi mit seinem Vorstoß zum Welt Yoga Tag bereits bei den Vereinten Nationen in New York. Indiens Außenministerin Sushma Swaraj wird die indische Delegation anführen, die am Sonntag im UN-Hauptquartier Yoga würdigt. Herman Van Rompuy, Präsident der Europäischen Union wollte nicht nachstehen. „Die EU unterstützt die Einführung eines Welt Yoga Tags", erklärte er nach einem Treffen mit Modi im November des vergangenen Jahres.

Keine Initiative des inzwischen als „Premierminister der Ankündigungen" bekannten Regierungschefs Modi wirbelte so viel Staub auf. Die Kampagne „Swachh Bharat" (saubere Heimat) verpuffte ebenso flott wie das vollmundige Versprechen, den völlig verdreckten Ganges schnell zu säubern. Dennoch wird am 21. Juni beileibe nicht jeder Inder in eine andächtiges, langgezogenes  „Om, Hari Om" ausbrechen.

Glaube an Wunderkräfte von Yoga

„Die Anordnung, den Yoga-Tag an Schulen begehen, ist undemokratisch und verstößt gegen die Rechte von Bürgern, die nur den allgegenwärtigen und formlosen Allah verehren", erklärte Zahir Kazi, dessen Organisation Anjuman-I-Islam im indischen Bundesstaat Maharashtra mehrere Schulen betreibt. Konservative Gruppen in Malaysia und Indonesien lehnen bereits seit geraumer Yoga als hinduistische Religionsriten ab.

Dennoch glaubt Indiens Minister für Ayurveda, Yoga und Homöopathie Shripad Yesso Naik unbeirrt an die Wunderkräfte von Yoga: „Wir sehen alle die schlimmen Dinge, Vergewaltigungen und so was. Wenn die Täter etwas positives wie Yoga tun, wird das schlechte aus ihnen verschwinden."  Das Vertrauen auf die Wunderkräfte des Yoga teilt er mit seinem Regierungschef. „Wenn wir unseren Lebensstil ändern und unser Bewusstsein mit Hilfe von Yoga ändern, kann uns dies beim Klimawechsel helfen", erklärte Modi vor den Vereinten Nationen. Diese Bewusstseinsänderung tut gerade in Indien not. Modis Regierung plant, während der kommenden Jahre 554 Kohlekraftwerke zu bauen, die besonders schädlich für die Umwelt sind .