Neunzehn Buchstaben, fünf Wörter, zwei waagerechte und zwei senkrechte Striche. Schon ist am Wochenende bei Twitter der Hashtag #YouAintNoMuslimBruv (Du bist kein Muslim, Bruder!) entstanden, unter dem inzwischen Tausende Tweets abgesendet wurden. Der Hashtag-Urheber ist unbekannt. Auch der Erfinder des Satzes ist bisher nicht in Erscheinung getreten – man hört ihn nur in einem im Internet aufgetauchten Video bei YouTube. Ein Clip, der die Minuten nach dem brutalen Attentat in der Londoner U-Bahn am Samstagabend zeigt: Der Täter am Boden, ein Polizist hält ihn fest, eine Handykamera nimmt die Szene auf – im Hintergrund die Stimme „You ain’t no muslim, Bruv.“ Immer wieder.

#YouAintNoMuslimBruv ist anders

Solidarität im Netz hat Konjunktur. Sei es durch ein neues Profilfoto bei Facebook, getüncht in den Farben der Frankreich-Fahne oder durch einen Tweet, versehen mit einem bestimmten Hashtag. Es ist probates Instrument, seine Haltung auszusprechen, sich zu positionieren. #jesuischarlie. #parisattacks. Diese Codewörter hatten eines gemein: Man nutzte sie, um seine Trauer kundzutun, um seine Fassungslosigkeit zum Ausdruck zu bringen, um sich mit den Opfern zu verbünden, mit den Angehörigen, dem Land.

#YouAintNoMuslimBruv ist anders. Denn dieser Hashtag solidarisiert sich über Glaubens- und Ländergrenzen hinweg mit den Muslimen dieser Welt. Es ist ein demonstratives Zeichen gegen Islamophobie, gegen die leichtfertige Vermengung von Muslimen mit Terroristen, gegen stumpfes Schwarz-Weiß-Denken, gegen den IS, gegen Terror und Starrsinn und für die Unterscheidung von Islam und Islamismus, für Toleranz und Glaubensfreiheit.

Er ist ein Zeichen, gesetzt von Briten, Europäern, Muslimen, Nicht-Muslimen. Sie drücken mit der Verwendung dieses Hashtags aus, dass der Islam keinen Terror und keine Morde rechtfertigt.