Es ist der hilflose Versuch, die Entwicklung nicht ganz so schlimm aussehen zu lassen. „Zahl der Organspenden weiterhin niedrig“ – so überschrieb die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) am Donnerstag eine Pressemitteilung. Das stimmt zwar, ist aber leider nur die halbe Wahrheit: Tatsächlich ist die Zahl gegenüber dem Vorjahr sogar gesunken, wenn auch nur leicht. Während 2015 noch 877 Menschen nach ihrem Tod Organe für schwer kranke Patienten gespendet haben, waren es im vergangenen Jahr nur noch 857. Zum Vergleich: Vor der Aufdeckung des Skandals über manipulierte Wartelisten im Jahre 2012 spendeten noch knapp 1300 Menschen ihre Organe.

Die Zahl der verzweifelten Menschen, die auf der Warteliste für ein Organ stehen, hat sich dagegen nicht verändert: Nach wie vor hoffen mehr als 10.000 Patienten von Tag zu Tag auf einen Anruf ihres Arztes mit einer erlösenden Botschaft. Viele von ihnen erleben diesen Anruf nicht. Rein statistisch sterben täglich durchschnittlich drei Menschen, die auf der Warteliste eingetragen sind.

Angesichts der sinkenden Spenderzahlen nützt es wenig, dass die DSO auf eine frische Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung verweist, nach der acht von zehn Bundesbürgern der Organspende positiv gegenüber stünden. Sicher, die Organspende als altruistischem Akt wird von vielen Menschen befürwortet. Doch nach dem Manipulationsskandal hat die Bevölkerung das Vertrauen in die beteiligten Institutionen und die Abläufe verloren. Weder der Ärzteschaft noch der Politik ist es seitdem gelungen, das zu ändern.

Nur Mini-Reform nach Aufdeckung des Skandals

Überraschend ist das nicht. Die bei Aufdeckung des Skandals regierende schwarz-gelbe Bundesregierung konnte sich damals nur zu einer Mini-Reform durchringen. In den Kliniken wurden Transplantationsbeauftragte installiert und die zuständigen Kommissionen bemühen sich, die Manipulationen und sonstige Unregelmäßigkeiten aufzuarbeiten. Die große Koalition hat im vergangenen Herbst endlich auch ein Gesetz zur Einrichtung eines Transplantationsregisters verabschiedet. In dem Register sollen die Daten von verstorbenen Organspendern, - empfängern und Lebendspendern zentral zusammengefasst und miteinander verknüpft werden. Damit kann man erstmals herausfinden, ob die Wartelistenkriterien sowie die Regeln für die Verteilung der Organe überhaupt angemessen sind.

Doch das alles reicht ganz offensichtlich nicht, das Vertrauen wieder herzustellen. Daher bleiben die schon nach der Aufdeckung des Skandals erhobenen Forderungen unter anderem von Patientenschützern, den Grünen und der Linkspartei aktuell. Sie verlangen zu Recht, die Organspende einer öffentlichen Anstalt zu übertragen, eine staatliche Kontrolle zu installieren und die gesetzlichen Regelungen zur Verteilung der Organe zu präzisieren. Doch nach wie vor entscheiden in Deutschland im Wesentlichen Vereine und private Stiftungen über die Organisation von Transplantationen und die Verteilung. Und es ist dabei geblieben, dass sich die beteiligten Akteure letztlich selbst kontrollieren. Nötig ist ein Befreiungsschlag, ansonsten wird die Zahl der Organspender in den nächsten Jahren noch weiter abrutschen.