Berlin - Weil sich zu wenig Freiwillige für die zweite Zählung von obdachlosen Menschen in Berlin angemeldet haben, wird sie um ein halbes Jahr verschoben. Lediglich 1200 Freiwillige meldeten sich nach Angaben des Verbandes für sozial-kulturelle Arbeit vom Freitag für die am 22. Juni geplante Zählung an. Es würden aber mindestens doppelt so viele Helfer benötigt, um die Ergebnisse mit denen der ersten Zählung aus dem Jahr 2020 vergleichen zu können.

Im Rahmen des Projekts „Zeit der Solidarität“ sollen Hunderte Kleingruppen unter professioneller Begleitung durch die Straßen der Stadt laufen, obdachlose Menschen zählen und ihnen Fragen zu ihren Lebensumständen stellen. Die Erhebung soll den Angaben zufolge dazu beitragen, die Situation der Menschen zu verbessern.

Bei der ersten Zählung im Februar 2020 hätten sich 3700 Freiwillige angemeldet, sagte Stella Kunkat, Referentin des Projekts. Tatsächlich mitgemacht hätten davon 2600. Der Verband gehe davon aus, dass auch dieses Mal signifikant weniger Freiwillige mitmachen werden als angemeldet. Deshalb sei die Zahl von 2400 Anmeldungen auch das Mindestmaß.

„Dass wir die angestrebte Zahl diesmal nicht einmal im Ansatz erreichen, hätten wir auch nicht gedacht“, sagte Kunkat. Die Zählung solle nun im Januar 2023 stattfinden, ein genaues Datum sei noch nicht bekannt.

Als vermutlichen Grund für den Rücklauf der Anmeldungen nannte Kunkat die Folgen des Ukraine-Kriegs. Freiwillige Helferinnen und Helfer konzentrierten sich in besonderer Weise auf die Hilfe für Geflüchtete. Sie stünden Tag und Nacht an Bahnhöfen oder nahmen Geflüchtete zu Hause auf. „Diese besondere Herausforderung fordert derzeit in nicht vorhersehbarer Weise das Potenzial von engagierten Menschen“, teilte der Verband mit.