Boston - Der Bombenleger vom Boston-Marathon soll hingerichtet werden. Auf dieses Strafmaß einigten sich am Freitagnachmittag Ortszeit die Geschworenen im Prozess um den schwersten Anschlag in den USA nach den Terrorattacken vom 11. September 2001. Der 21 Jahre alte Dschochar Zarnajew nahm die Verkündung der Todesstrafe gegen ihn ohne sichtbare Regung entgegen. Er hatte zusammen mit seinem Bruder im April vor zwei Jahren zwei Sprengsätze im Zieleinlauf eines Marathon-Wettbewerbs in der Bostoner Innenstadt gezündet. Drei Menschen, unter ihnen ein acht Jahre alter Junge starben. Mehr als 260 Menschen wurden verletzt oder verstümmelt.

Die Beratungen der zwölf Geschworenen dauerten gut 15 Stunden. Zarnajew, der bereits vor einigen Wochen in allen 30 Anklagepunkten schuldig gesprochen worden war, hätte der Todesstrafe möglicherweise entgehen können, wenn er Reue vor Gericht gezeigt hätte. Doch weil der Amerikaner tschetschenischer Abstammung das Verfahren über sich ergehen ließ und in der Regel keine Miene verzog, scheinen die Geschworenen der Argumentation der Anklage gefolgt zu sein. Diese hatte Zarnajew als kaltblütigen Killer dargestellt. Es bestehe kein Zweifel daran, dass Zarnajew den Tod verdiene, so die Staatsanwälte. Zu den Anklagepunkten zählte unter anderem der Einsatz von Massenvernichtungswaffen.

Die Verteidigung dagegen hatte versucht, dem einige Tage nach dem Attentat ums Leben gekommenen Bruder Zarnajews die Hauptschuld für das Verbrechen zu geben. Dschochar Zarnajew sei nur ein Mitläufer gewesen, der sich vom älteren Bruder habe verleiten lassen.

Todesurteil war nicht zu erwarten

Dass der junge Mann nicht zu lebenslanger Haft ohne Aussicht auf Entlassung, sondern zum Tode verurteilt wurde, war nicht von vorneherein zu erwarten gewesen. Im Bundesstaat Massachusetts gilt die Todestrafe nicht, viele Menschen sind dort sogar ausgesprochene Gegner der Todesstrafe. Zarnajew jedoch wurde nach US-Bundesrecht verurteilt, das wiederum Hinrichtungen als Strafmaß zulässt – und das auch in Bundesstaaten wie Massachusetts. Die neue US-Justizministerin Loretta Lynch sprach in einer ersten Reaktion von einer passenden Bestrafung für das schreckliche Verbrechen, das Zarnajew begangen habe.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird die Verteidigung nun das Strafmaß  gegen ihren Mandanten anfechten. Bis zu einer Hinrichtung Zarnajews dürften deswegen noch Jahre vergehen. Seit 2003 hat es nach Auskunft offizieller Stelle keine Hinrichtung von Todeskandidaten mehr gegeben, die nach US-Bundesrecht verurteilt wurden.