Köln - Die Idee ist utopisch. Doch sie enthält einen Kern, der nachdenklich macht. Seit einer Woche kursiert ein Video durch das Internet, in dem die Republik Österreich ihren Plan bekannt gibt, eine Brücke von Afrika nach Europa bauen zu wollen. „Österreich hat schon oft bewiesen, dass es Bedeutsames schaffen kann. Lassen sie uns eine Brücke in die Zukunft bauen. Eine Steinbrücke von Afrika nach Europa, um das sinnlose Sterben im Mittelmeer ein für alle mal zu beenden“, heißt es zu Beginn des Beitrags. Auch Österreichs Flüchtlingskoordinator Christian Konrad wird zitiert: „Ich möchte den Beweis antreten, dass unsere Alpenrepublik über den Tellerrand schauen.“

Den Flüchtlingskoordinator der Alpenrepublik gibt es tatsächlich. Die Aktion aber ist ausgedacht, das Video nachgestellt - vom Künstlerkollektiv „Zentrum für politische Schönheit“ aus Berlin.

Die Künstler mit der schwarzen Schminke im Gesicht befeuern immer wieder mit gezielten Provokationen die Flüchtlingsdebatte. Im Juni hat die Gruppe eine im Mittelmeer ertrunkene Syrerin in Berlin bestattet. Im September führte sie in Zusammenarbeit mit dem Theater Dortmund das Stück „2099“ auf. Nun also die Idee von der Brücke.

Bis das vermeintliche „Jahrhundertwerk“ in die Realität umgesetzt ist, wollen die Künstler Rettungsplattformen im Mittelmeer einsetzen. 1000 Inseln sollen so entstehen. Die erste ist seit Dienstag installiert.

„Die Plattformen sind sechs mal sechs Meter groß und bestehen aus hochseetauglichem Plastik. In unserem Fall ist sie azurblau“, erläutert Emilia Leuchter in einem Bericht der „Tagesschau“. „Auf dieser Plattform ist ein Photovoltaik-Panel installiert, das die Stromversorgung auf hoher See garantieren soll.“ Der Strom werde für das Satellitentelefon und die Positionslichter benötigt.

Ursprünglich sollte die Plattform bereits am Sonntag vor Sizilien befestigt werden, in internationalem Gewässer. Doch starker Wind und hoher Wellengang verzögerten die Arbeiten. Neben dem Telefon und den Lichtern ist „Aylan 1“ mit Lebensmitteln, Rettungsringen und einer Kamera ausgestattet - und natürlich einer österreichischen Fahne.