Berlin - Die Corona-Zahlen sinken weiter. In der einstigen Superspreader-Metropole Berlin gerät selbst die 30er-Inizidenz, bei der die hiesige Infektionsampel auf Gelb spränge, zum ersten Mal seit langem wieder in Sichtweite. Ab nächstem Montag, den 22. Februar, sollen in Berlin die Schulen schrittweise öffnen, am 1. März sind bundesweit die Friseurgeschäfte an der Reihe, und ab dem 8. März können Einzelhandel, Museen, Galerien sowie Nagel- und Kosmetikstudios wieder öffnen. Gleichzeitig steigt der Druck auf die Politik, weitere Wege aus dem Lockdown aufzuzeigen. Spätestens zum 3. März, dem nächsten Termin der Bund-Länder-Gespräche mit der Bundeskanzlerin, soll der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) als Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz einen Stufenplan vorlegen. Seit Tagen wird in der Senatskanzlei intensiv darüber beraten. Gleichzeitig soll an Berliner Schulen und Kitas endlich flächendeckend getestet werden. Doch ausgerechnet bei diesem wichtigen Baustein der Pandemie-Bekämpfung sind eine Woche vor der angekündigten Teilöffnung der Schulen noch immer viele Fragen offen.

Tests sind unangenehm und freiwillig 

Bisher kommen in der Stadt nur Schnelltests für geschultes Personal zum Einsatz, bei denen ein Wattestäbchen unangenehm tief in Nasen- und Rachenraum geführt wird. Testen lassen kann man sich in öffentlichen oder privaten Teststellen. Alleine für pädagogisches Personal ohne Symptome gibt es fünf Krankenhaus-Teststellen. Weiterhin sind auch mobile Testteams unterwegs.  

Seit Anfang Dezember hatte die Bildungsverwaltung Gelegenheit, eigene Tests für Kitas und Schulen anzuschaffen. Jetzt ist es soweit: Für die rund 30.000 Kita-Beschäftigten wurden 240.000 dieser Schnelltests beschafft. Nun soll sich jeder Beschäftigte zweimal pro Woche testen lassen. Die Tests sind kostenlos für die Kita-Träger und freiwillig für die Beschäftigten. 

Die Tests sollen über die Bezirke verteilt werden. Nachdem mittlerweile alle Bezirksämter beliefert wurden, hat am Montag in einigen Bezirken die Abgabe begonnen. Doch noch gibt es viele Ungereimtheiten. So ist unklar, wer die Erzieher testen soll. Große Träger wie das Rote Kreuz haben dafür medizinisch geschultes Personal. Allen anderen rät die Bildungsverwaltung, in der Elternschaft zu suchen. Infrage kommen Rettungsassistenten, Pfleger, Medizinisch-technische Assistenten, Zahnarzthelfer oder Ärzte. Sollte sich dennoch niemand finden, müsste ein externer Dienstleister engagiert werden. Und das ist teuer. Kita-Träger berichten von Angeboten über 600 Euro pro Tag. Schon fürchten Kritiker, dass viele auf das also nur scheinbar kostenlose Test-Angebot verzichten werden. 

Verpflichtende Spucktests in Potsdam

Während Berlin also am Credo der Freiwilligkeit festhält, geht die Nachbarstadt Potsdam einen anderen Weg. Im Land Brandenburg blieben die Kitas auch in Zeiten hoher Corona-Inzidenzen aus pädagogischen Gründen geöffnet. Die Hauptstadt Potsdam dagegen schloss die Einrichtungen am 4. Januar wegen hoher Infektionszahlen. Gleichzeitig schaffte die Stadt auf eigene Kosten Tests für die städtischen Kitas an. Es handelt sich um selbst vorzunehmende, leicht handhabbare Spucktests. Sie sind für das Personal verpflichtend. Seit drei Wochen sind die Potsdamer Kitas wieder geöffnet. Die Angestellten der rund 130 Einrichtungen nehmen seitdem an sich selbst pro Woche insgesamt etwa 5000 Tests vor. Wie in Berlin sind aber auch in Potsdam keine Tests für Kita-Kinder vorgesehen.

Berlin hofft auf Zulassung angenehmer Tests

In Berlin baut man auf andere Schnelltests für den Selbstgebrauch. Dabei soll der Abstrich nach Herstellerangaben im vorderen Nasenbereich genommen werden können und damit deutlich angenehmer sein als die herkömmlichen Tests. Die Zulassung kommt wahrscheinlich erst Anfang März, dennoch hat das Land schon 3 Millionen Stück bestellt. Die erste Hälfte ist laut Gesundheitsverwaltung vorige Woche eingetroffen.

Auch diese Test-Kits sollen über die Bezirke verteilt werden. Diesmal sind sie jedoch vor allem für Schulen gedacht. Die Idee: Die rund 50.000 Lehrkräfte und die etwa 400.000 Schüler aller Klassenstufen sollen sich zweimal pro Woche testen - am besten morgens zuhause, damit in den Schulen das Infektionsrisiko gering bleibt. Vermutlich werden die Test-Kits später in den Schulen aufbewahrt. Lehrer, aber auch Schüler könnten sich dort damit eindecken. Über allem gilt auch hier: Die Tests sollen für alle freiwillig sein. 

Das Nachbarland Österreich regelt das anders. Auch dort gibt es Spucktests für Schulen. Für Lehrer sind sie Pflicht, für Schüler nicht. Allerdings dürfen Schüler ohne negatives Test-Ergebnis ausschließlich am Homeschooling teilnehmen.