In der Region rund um Berlin hat es seit 40 Tagen nicht mehr geregnet. Von zunehmender Frühjahrstrockenheit sprechen Wetterexperten. Das kann die deutsche Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) zwar nicht ändern. Wie wir auf die größten Dauerkrisen dieser Tage regieren, aus ihrer Sicht sind das die Klimakrise und das Artensterben, allerdings schon. „Welche Maßnahmen wir ergreifen, das ist entscheidend für unsere Zukunft“, sagte sie am Dienstag und stellte ein Programm für einen natürlichen Klima- und Artenschutz vor.

Es geht um Moore, Auen, Wälder, Meere und Böden. Sie alle sind bereits schwer geschädigt. Moore, in Deutschland über Jahrhunderte trockengelegt, binden CO₂ nicht mehr, sondern setzen es frei. Flüsse, nach Begradigungen ohne Auenlandschaft, bieten weder vielfältige Lebensräume, noch sind sie in der Lage, Wassermassen nach Starkregen zurückzuhalten. Wälder sterben durch Schädlingsbefall in Monokulturen. Insekten werden in der Landwirtschaft von Pestiziden dezimiert. Böden speichern nach intensiver Bewirtschaftung kein Wasser mehr. Allerdings haben sie alle nun auch noch eine anstrengende Zukunft mit Dürreperioden und Unwetterserien vor sich. „Es ist höchste Zeit, dass wir nicht mehr gegen die Natur arbeiten“, sagte Lemke.

Das bedeutet, die Landschaften müssen umgebaut und in ihren natürlichen Zustand zurückversetzt werden, und auch die Städte brauchen als Krisenvorsorge mehr Grün zum Schutz vor Hitze. Das Bundesumweltministerium will in den kommenden vier Jahren vier Milliarden Euro in ein Aktionsprogramm investieren, mit dem die Ökosysteme geschützt, gestärkt und wiederhergestellt werden sollen. Zehn Handlungsfelder haben die Ministerin und ihre Mitarbeiter dafür ausgemacht.

So sollen etwa Buchenwälder nicht mehr forstwirtschaftlich genutzt werden. Eine Meeresstrategie soll erdacht und umgesetzt werden. Mehr Hecken auf die Felder, mehr Grünland, Schutz- und Wildnisgebiete. Moore sollen wieder „vernässt“ werden. Die Ministerin will ein Förderprogramm auflegen, damit Landnutzern eine Wirtschaftsperspektive etwa für angepasste Beweidung oder auch für den Anbau von Schilf geboten wird. Dazu gibt es bisher aber nur Modellprojekte und auch noch keine gute Zusammenarbeit mit den Bundesländern. Mit einzelnen Ländern sei man aber schon im Gespräch, sagte Lemke.

Scheitern kann so etwas allerdings auch auf Bundesebene. Beispiel Verlängerung der Küstenautobahn A20. Für diese Strecke müssten wieder einmal Moore trockengelegt werden. „Ein heftiges Spannungsfeld“, nennt das die Ministerin. Tatsächlich müsste der Bundesverkehrswegeplan verändert werden, wollte man die Moore schützen.