So sehen bittere Niederlagen aus: Jubel für Richter Jens Maier, den AfD-Bundestagsabgeordneten aus Dresden, über dessen Twitter-Account der Sohn von Boris Becker als „Halbneger“ verspottet wurde. Jubel, wenn der Name seines Bruders im Geiste fiel: „Höcke, Höcke“, rief der Parteitag in Hoyerswerda, wenn es um den Thüringer AfD-Chef ging. Und Frauke Petry, die einst als Bundes- und sächsische Landesvorsitzende Jens Maier, Björn Höcke und den fortgesetzten Rechtsdrall der 2013 gegründeten Partei verhindern wollte, ist längst Geschichte.

Ausgetreten, fraktionslose Abgeordnete im Bundestag und im Dresdner Landtag. Politische Resterampe, ohne Einfluss, ohne Aussichten. Die AfD hat sie ausgespuckt wie einst Bernd Lucke, den verträumten hanseatischen Euro-Skeptiker. Es triumphieren jetzt diejenigen, die Petry loswerden und aus der AfD ausschließen wollte. „Das ist bei mir misslungen“, vergnügte sich Richter Maier am Wochenende auf dem sächsischen AfD-Parteitag.

Jörg Urban ist neuer Vorsitzender

In Hoyerswerda wählte die AfD den Nachfolger für die im September 2017 ausgetretene Petry: Jörg Urban, der Fraktionsvorsitzende im Dresdner Landtag, ist neuer Vorsitzender. 338 Stimmen für den 53-jährigen Meißner, 32 dagegen, 5 Enthaltungen. Urban hatte keinen Gegenkandidaten. Der bisherige stellvertretende Vorsitzende Siegbert Droese und der frühere sächsische DSU-Chef Norbert Koch hatten ihre Bewerbungen zurückgezogen.

Neue Führung, neuer Wind, neue Töne. Sachsens AfD hat sich vorgenommen, die Landtagswahl 2019 zu gewinnen. Ihr Ziel: Vor der CDU abschneiden, die Regierung bilden, den Ministerpräsidenten stellen. Als Petry sich noch vor zwei Jahren Richtung CDU/CSU und Bürgertum öffnen wollte, wurde sie von den eigenen Leuten dafür ausgebuht. Nun ist sie weg und die Welt der Rechtspopulisten eine andere. Dass die AfD stärkste Partei in Sachsen wird, ist überhaupt nicht unrealistisch. Bei der Bundestagswahl im September 2017 ist es ihr schon gelungen. Sie holte 27, die CDU 26,9 Prozent, Ministerpräsident Stanislaw Tillich warf eine Woche später die Brocken.

Bündnis mit Pegida etwas Selbstverständliches

Um die Landtagswahl im Spätsommer nächsten Jahres zu gewinnen, will die AfD eng mit dem fremdenfeindlichen Dresdner Bündnis Pegida zusammenarbeiten, etwas, das Petry immer ausgeschlossen hatte. Sie wollte nichts mit Personen wie dem mehrfach wegen Drogendelikten und Einbrüchen vorbestraften Pegida-Anführer Lutz Bachmann zu tun haben, der die Wutbewegung von Teneriffa aus steuert.

Für Urban hingegen ist ein Bündnis mit Pegida etwas Selbstverständliches: Pegida sei eine Bürgerbewegung, so Urban. Die CDU habe die Kirchen als unterstützende Organisation im Vorfeld, die SPD die Gewerkschaften, die AfD Pegida, so der Leipziger Bundestagsabgeordnete Droese. Im Großraum Dresden gebe es bereits „ein Bündnis mit Pegida im weitesten Sinne", hatte Droese vor dem Parteitag bereits erklärt. „Und wir haben stark davon profitiert." Gelinge es nicht, „freie Hand zu bekommen und Pegida an unserer Seite zu halten“, dann würden es vielleicht fünf oder sechs Prozent weniger Zustimmung bei der Wahl 2019, meinte Droese, der sich kürzlich für „freien Waffenbesitz“ für jeden „rechtstreuen Deutschen“ ausgesprochen hatte. Auf Facebook schrieb er, „Volksbewaffnung helfe, Koransprengköpfe zu neutralisieren".

Wer allerdings für die AfD 2019 als Spitzenkandidat gegen den frisch gewählten CDU-Ministerpräsidenten Michael Kretschmer ins Rennen gehen wird, ist noch offen. Dass sie siegen wird, daran zweifelt die AfD nicht mehr: „Das werden wir“, versprach Urban seiner Partei. Mit wem er dann regieren will, ist ein Rätsel. CDU-Ministerpräsident Kretschmer hat mehrfach jede Zusammenarbeit mit den Populisten ausgeschlossen. „Wer hat ihn überhaupt gefragt?“, giftete Urban auf dem AfD-Parteitag. In Sachsen, verkündete er unter dem Jubel seiner Anhänger, schlage das Herz der AfD. Und Richter Maier sprang ihm mit einem abgewandelten Zitat aus DDR-Zeiten bei: „Vom Osten lernen heißt, siegen lernen.“

Nicht nur Sachsens AfD-Führungsleute träumen vom Wahlsieg und danach von einer Kettenreaktion in ganz Deutschland. Der Bundesvorsitzende Jörg Meuthen sprach als Gastredner in Hoyerswerda vom Untergang der klassischen Parteien, der mit Händen greifbar sei. André Poggenburg, der Vorsitzende in Sachsen-Anhalt, prophezeit für 2019 ein „politisches Erdbeben" in Sachsen.