Berlin - Häftlinge waren in der DDR-Wirtschaft gefragte Arbeitskräfte. Viele Betriebe forderten die billigen Strafgefangenen von der SED-Führung extra an. Unter Dreck, Hitze und Dämpfen mussten Gefangene malochen - in Tagebauen, Stahlwerken und Textilfirmen. Ihre Bedingungen seien so schwer und miserabel gewesen, dass für diese Arbeiten keine anderen Kräfte gefunden wurden, heißt es in einer Studie zur Zwangsarbeit in der DDR. Die Untersuchung soll an diesem Montag in Berlin vorgestellt werden. Sie wurde von der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft in Auftrag gegeben.

Staatlich gelenktes System

DDR-Zwangsarbeit von Häftlingen war ein staatlich gelenktes System von wirtschaftlicher Ausbeutung und politischer Repression, schreibt Historiker Christian Sachse in der Zusammenfassung der Untersuchung, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. Von der Häftlings-Produktion habe auch die Bundesrepublik profitiert, sie habe viele Produkte ohne Prüfung bezogen, obwohl es genügend Verdachtsmomente gegeben habe.

Der schwedische Möbelkonzern Ikea, für den auch DDR-Häftlinge Sofas herstellten, habe sich kaum anders verhalten als westdeutsche Firmen, die mit der SED-Diktatur Handel betrieben, heißt es. Laut Studie war die Ost-Berliner Ikea-Vertretung durchsetzt mit Stasi-Mitarbeitern. Diese sollten mit vertuschen, woher die preiswerten Möbel kamen. Ikea hatte 2012 unter öffentlichem Druck eingeräumt, seit den 80er Jahren vom Einsatz politischer Häftlinge für die Möbelproduktion der Firma gewusst zu haben.

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