Der Thüringer Verfassungsschutz war den Ende Januar 1998 in den Untergrund abgetauchten Neonazis Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt offenbar dichter auf der Spur als bekannt. Das geht aus bislang geheim gehaltenen Unterlagen des Erfurter Landesamtes (LfV) hervor, deren Inhalt der Frankfurter Rundschau bekannt wurde.

Danach hatte das LfV frühzeitig erfahren, dass Mundlos schon wenige Monate nach seinem Untertauchen mit Gesinnungsfreunden an der Produktion einer Skinhead-Zeitschrift mitgewirkt haben soll. Den Berichten zufolge habe Mundlos mit anderen Neonazis die redaktionelle Verantwortung für das im Raum Chemnitz produzierte Heft „White Supremacy“ („Weiße Vorherrschaft“) innegehabt. Das illegal verteilte Heft erschien zwischen 1998 und 2000 nur in drei Ausgaben.

Daneben soll Mundlos laut den Verfassungsschutzberichten auch geplant haben, eine eigene T-Shirt-Collection zu kreieren. Demnach habe Mundlos Figuren entwerfen wollen, die sich an der US-Comicserie „The Simpsons“ orientieren, aber die Erkennungszeichen von Skinheads tragen. Mit den „Skimpsons“ genannten T-Shirts wollte sich das Trio anfangs offenbar das Leben in der Illegalität finanzieren.

Die Unterlagen belegen, dass die drei Neonazis nach ihrem Untertauchen auf ein Unterstützernetzwerk in Sachsen und Thüringen zurückgreifen konnten. Demnach wusste der Geheimdienst seit Februar 1998, dass die Helfer der drei überwiegend aus der „Blood & Honour“-Szene stammten, einer vor allem zwischen Thüringen und Sachsen extrem gut vernetzten Neonazi-Organisation. Aber auch regionale Kameradschaftsstrukturen seien anfangs in die Betreuung der drei Neonazis einbezogen gewesen.

Der Vergleich mit anderen Unterlagen zur Fahndung nach dem Neonazi-Trio erhärtet den Verdacht, dass der Thüringer Verfassungsschutz seinerzeit mit einem Teil seiner Erkenntnisse hinterm Berg hielt. Selbst die in die Suche einbezogenen Kollegen vom sächsischen Verfassungsschutz wurden nicht umfassend informiert. Ein Grund dafür könnte die Sorge gewesen sein, einen wertvollen Informanten zu gefährden. Denn erstmals wird nun klar, dass das LfV im „Thüringer Heimatschutz“ (THS), dem Verbund regionaler Kameradschaften, nicht nur im Anführer Tino Brandt einen Zuträger hatte. In den Unterlagen taucht noch ein zweiter, ebenfalls hochrangiger V-Mann mit Decknamen „Tristan“ auf. Er war offenbar dicht an den untergetauchten Neonazis dran. Seine Identität hat der Verfassungsschutz bislang nicht offengelegt.