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Eine Frage der Herkunft: So wenig Osten steckt in der Bundesregierung

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imago images / Metodi Popow

Die politischen Institutionen von Parlament und Regierung vertreten die Interessen der Bevölkerung. Dabei kann es durchaus knirschen, denn Interessen entstehen in Abhängigkeit von Alter, Lebenssituation und vor allem auch dem Wohnort. Eric Beltermann, Datenjournalist der Berliner Zeitung, hat die Geburtsorte der ranghöchsten Regierungsmitglieder analysiert, interaktiv aufbereitet und ein starkes Missverhältnis zwischen Ost und West festgestellt.

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Manchmal könnte man den Eindruck gewinnen, es gäbe genau zwei Vergleiche, um die Größe einer Fläche zu beschreiben: Zum einen das Fußballfeld und zum anderen das Saarland.

Mit der Ernennung Annegret Kramp-Karrenbauers als neue Verteidigungsministerin erhielten Saarland-Vergleiche erneut Auftrieb, jedoch nicht aus geometrischer, sondern aus politischer Perspektive. Mit Kramp-Karrenbauer stehen drei der 16 Bundesministerien unter der Leitung einer Saarländerin oder eines Saarländers. Manch einer fühlt sich gar bemüßigt, von der „Saarlandisierung“ des Berliner Politik-Betriebs zu sprechen.

Unter dem ironischen Ausspruch verbirgt sich aber eine interessante Frage: Woher stammen eigentlich die Mitglieder der Bundesregierung?

Wie wir „Bundesregierung“ und „Herkunft“ definiert haben

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, haben wir zunächst umrissen, was unter Bundesregierung und Herkunft zu verstehen ist. Bundesregierung, das ist im engeren Sinn der Kreis der 15 Bundesministerinnen und -minister sowie die Kanzlerin.

Um die Aussagekraft der Erhebung zu erhöhen, haben wir den Begriff der Regierung aber im weiteren Sinn ausgelegt. Neben den Ministerinnen und Ministern und der Kanzlerin zählen wir Parlamentarische oder verbeamtete Staatssekretärinnen und -sekretäre sowie die Staatsministerinnen und -minister zur Bundesregierung.

So ergibt sich die untersuchte Gruppe der ranghöchsten Mitglieder der Bundesregierung. Als Herkunft haben wir, da am wenigsten fehleranfällig, den Geburtsort definiert. Diese Ergebnisse haben wir auf einer Karte abgebildet, die ein deutliches Bild zeigt.

Wo die Mitglieder der Bundesregierung geboren wurden

Im dem Gebiet der ehemaligen DDR sind nur fünf Mitglieder der Bundesregierung geboren, die deutliche Mehrheit aber in Westdeutschland. Betrachtet man den engeren Kreis der Bundesregierung, also ausschließlich die Kanzlerin sowie die Bundesministerinnen- und minister, ist lediglich eine Ministerin im ehemaligen Ostdeutschland zur Welt gekommen: Familienministerin Franziska Giffey.

Auf Ebene der Bundesebene ist Nordrhein-Westfalen mit 25 Personen am stärksten vertreten gefolgt von Baden-Württemberg (11 Personen) sowie Bayern und Niedersachsen (je 9 Personen). Das Schlusslicht bilden Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. In keinem dieser Bundesländer ist ein Bundesregierungsmitglied geboren worden. Das Saarland liegt mit vier Personen im Mittelfeld.

Regierungsmitglieder im Verhältnis zur Bevölkerungszahl

Ein anderes Bild zeichnet sich ab, wenn man die Zahl der Regierungsmitglieder ins Verhältnis zur Bevölkerungszahl setzt.

Von den Bundesländern, die in der Bundesregierung vertreten sind, ist das Saarland am stärksten repräsentiert: Auf eine Viertelmillion Menschen kommt ein Regierungsmitglied. Zum Vergleich: In Sachsen-Anhalt sind es über zwei Millionen.

Die saarlandisierte Bundesregierung

Mit Blick auf die Zahlen stimmt es also: Im Verhältnis zu anderen Bundesländern ist das Saarland überproportional stark in der Bundesregierung vertreten. Mit Heiko Maas (Auswärtiges Amt), Peter Altmeier (Wirtschaft und Energie) und Annegret Kramp-Karrenbauer (Verteidigung) sind drei Ministerinnen und -minister im Saarland geboren worden. Außerdem stammt mit Christian Lange aus dem Justiz-Ressort ein Parlamentarischer Staatssekretär aus dem Saarland.

Aus den Flächenländern Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern sowie aus Berlin und Bremen stammt kein Regierungsmitglied.

Übrigens: Ein Saarland entspricht in etwa 359.944 Fußballfeldern.