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Kommentar zu rechtsextremen Beleidigungen: Bitte um eine weihnachtliche Hass-Pause

Eine Weihnachtskrippe

Werte Nächstenhasser, ärgern Sie sich einen Moment nicht darüber, dass Josef und Maria Flüchtlinge waren und Jesus ein Jude und dass die Könige des Morgenlandes tolle Geschenke brachten. 

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Peter Steffen/picture alliance/dpa

Mit dick gefütterten Weihnachtsstiefeln geht es auf den Heiligen Abend zu. Jetzt kommt der Endspurt zum Lieblingsfest der Menschen, jedenfalls der christlich sozialisierten. Geschenke kaufen, dazwischen Crêpes mit Eierlikör oder Schokoladensoße futtern, die Kinder beruhigen – ja, in einer Woche ist es soweit. Dann werden Wünsche erfüllt, die kleinen und manchmal auch die großen.

Weihnachten, das ist das Fest des Friedens, der Hoffnung und des Lichts. Das Christkind, geboren auf der Flucht, beherbergt in einem Stall, gebettet in eine Krippe, ist zum Symbol der Verheißung von Güte und Nächstenliebe geworden. Seine Anwesenheit in der Welt soll den Menschen als Beispiel dienen und ihnen Frieden bringen. Was für eine wundervolle Vorstellung. 

Ärgern Sie sich einen Moment nicht darüber, dass Josef und Maria Flüchtlinge waren

Ehrlich gesagt, eine Pause vom toxischen Hass, den Beleidigungen, den täglichen Angriffen von rechtsextremen Trollen und ihren geistigen Brüdern bei Pegida oder der AfD wäre doch mal was.  Ausgerechnet diese Leute reklamieren die christlich-abendländische Kultur für sich. Gewiss, sie verstehen nichts davon, denn die Weihnachtsgeschichte ist so ungefähr das exakte Gegenteil ihrer Ideologie. Dennoch beharren sie darauf, dass ausgerechnet sie das Abendland zu verteidigen haben.

Also, werte Nächstenhasser, Hoffnungslose, Dunkelmacher: Machen Sie bitte mal Pause! Ärgern Sie sich einen Moment nicht darüber, dass Josef und Maria Flüchtlinge waren und Jesus ein Jude und dass die Könige des Morgenlandes tolle Geschenke brachten. Und dass niemand sich um deren Hautfarbe scherte.

Atmen Sie aus, gönnen Sie uns allen und sich ein wenig Frieden. Regen Sie sich bitte einen Augenblick lang nicht darüber auf, dass in Baden-Württemberg eine Frau dem Landtag vorsteht, die zudem in der Türkei geboren wurde. Dass ausgerechnet sie dem unlauteren Treiben von AfD-Abgeordneten ein Ende gemacht hat, mag Ihnen schlimm vorkommen. Aber gewöhnen Sie sich besser daran. Denn dies entspricht dem umfassenden Grundgedanken des Christentums, das eben nicht nur weiße Männer meint. 

Wozu das viele Gift? Ist doch ganz unchristlich

Das klingt zu klischeehaft, um wahr zu sein? Finde ich eigentlich auch. Doch die Berliner AfD hat tatsächlich einen Adventskalender herausgebracht, der #sagjazuweissenmännern heißt. Er soll wohl dem Gefühl von Unterlegenheit Ausdruck verleihen. Der arme weiße Mann als Opfer, dem zu huldigen geboten scheint.

Da ploppt ganz offensichtlich eine schlimme Kränkung auf, obwohl in Gremien, Öffentlichkeit oder Parlamenten noch längst nicht die Parität der Gesellschaft abgebildet ist. Weder bei Frauen noch bei Eingewanderten. Diese Kränkung übrigens gestehen die weißen Männer niemandem sonst zu.

Noch einmal die Bitte: Machen Sie mal eine Pause bei Ihren misogynen und rassistischen Attacken. Wozu das viele Gift? Ist doch ganz unchristlich. 

Barmherzigkeit für alle Menschen – drunter macht es Jesus nicht 

Mein Wunsch zu Weihnachten ist klar: Möge der Elfenstaub über alle kommen. Es gibt auch für Sie, liebe Wüteriche, eine Weihnachtsgans und Geschenke und köstliche Crêpes mit Eierlikör plus Schokoladensoße.

Im Sinne eines friedvollen Festes: Versuchen Sie es mal mit Barmherzigkeit, Vergebung und Versöhnung. Aber für alle Menschen. Drunter macht es Jesus nicht.