Es gab einen Knall, dann kam der metallicfarbene VW Polo am Absperrgitter vor der Bühne direkt vor dem Brandenburger Tor zum Stehen. Augenzeugen schilderten, wie gestern um 15.35 Uhr ein VW Polo mit Berliner Kennzeichen vom Leipziger Platz kommend die Ebertstraße entlang in Richtung Brandenburger Tor fuhr, mit rund 50 Stundenkilometern die Einlasskontrollstelle erreichte und die eisernen Absperrgitter dort niederwalzte. Der Polo fuhr noch etwa 300 Meter weiter bis vor die Hauptbühne, wo er in einer Absperrung zum Stehen kam.Auf seiner Schleuderfahrt zum Brandenburger Tor verletzte der Wagen 21 Menschen. Zehn von ihnen wurden in Krankenhäusern behandelt. Ein elfjähriger Junge erlitt mehrere Knochenbrüche. Auch ein Polizist wurde verletzt. Sechs der Opfer, die in Krankenhäuser kamen, sind Deutsche, die anderen kommen aus England, den Niederlanden, Australien und Argentinien. "Wir hatten noch großes Glück, weil an diesem Tag kein Fußballspiel war und nur wenige Leute auf der Fanmeile waren", sagte Feuerwehrsprecher Wolfgang Rowenhagen."Gleich gibt's Bumbum!"Viele Festbesucher brachten sich durch einen Sprung vor dem herannahenden Auto in Sicherheit. Zur Tatzeit spielte eine afrikanische Band auf der Bühne. "Das Auto kam mit heulendem Motor auf mich zu", sagt der 61-jährige Hans-Ulrich Timm, ein Zuschauer aus Steglitz. "Es schob Gitter vor sich her und kam zum Stehen." Polizisten zerrten den Fahrer aus dem Auto und überwältigten ihn. Dabei rief er Zeugen zufolge "Gleich gibt's Bumbum!" Die Beifahrerin wurde später aus dem Auto geholt, weil die Autotür klemmte.Die Feuerwehr löste Großalarm aus und rückte mit 90 Mitarbeitern an. Die Polizei sperrte den Platz des 18. März weiträumig im Umkreis von 250 Metern und räumte auch den östlich des Brandenburger Tores gelegenen Pariser Platz bis zur Wilhelmstraße. Sprengstoffexperten untersuchten den Wagen. Sie fanden keinen Sprengstoff. Über das Motiv des Amokfahrers ist noch nichts bekannt. "Er hat offensichtlich bewusst die Absperrung durchbrochen", sagte Innensenator Ehrhart Körting (SPD). "Das war die Tat eines Menschen, der andere verletzen oder Aufmerksamkeit erregen wollte." Unklar ist bislang, ob der Amokfahrer betrunken war oder unter Drogen stand. Bei dem Fahrer handelt es sich um einen 33-jährigen indischstämmigen Deutschen aus Hannover, auf dem Beifahrersitz saß eine 55-jährige Frau. Es soll sich um seine Mutter handeln, der der Sohn eine Fahrt zum Botanischen Garten versprochen hatte. Beide befinden sich im Polizeigewahrsam. Am Abend wurde der Platz vor dem Brandenburger Tor wieder freigegeben. Das Konzert des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin fand im Rahmen des Kulturprogramms vor tausenden Zuschauern in entspannter Atmosphäre statt.------------------------------Grafik: Der VW Polo kam um 15.35 Uhr vom Leipziger Platz, durchbrach den Kontrollpunkt Ebert-/Ecke Behrenstraße und fuhr Richtung Fanbühne am Brandenburger Tor. Dort knallte er gegen Absperrgitter.------------------------------Foto: Der Wagen des Amokfahrers schob Absperrgitter und Fahrräder vor sich her und kam an der Hauptbühne zum Stehen.------------------------------Foto: Als das Auto des Amokfahrers an einer Absperrung zum Stehen kommt, stürzen sich Polizisten mit gezogener Pistole auf das Fahrzeug.------------------------------Foto: Der Fahrer wird gestellt, von mehreren Beamten zu Boden geworfen und gefesselt. Andere Polizisten holen die Beifahrerin aus dem Auto.