Nach ihren Einsätzen bei zwei Demonstrationen am Sonnabend sieht sich die Berliner Polizei mit Vorwürfen von Antisemitismus und der Körperverletzung im Amt konfrontiert. Gestern hat die Polizei gegen Beamte der 22. Einsatzhundertschaft Verfahren wegen Körperverletzung im Amt eingeleitet. Ein im Internet verbreitetes Video zeigt, wie ein Polizist bei der Demo gegen Vorratsdatenspeicherung einen Mann niederschlägt. In dem Film ist zu sehen, wie der Mann mit einem Polizisten spricht. Als er mit einem Fahrrad davonradeln will, reißt ihn ein weiterer Polizist am T-Shirt zurück. Ein weiterer Beamter schlägt ihm dann mit der Faust ins Gesicht, sodass er zu Boden geht.Nach Darstellung der Polizei gab es bei der Überprüfung des Lautsprecherwagens "massive Störungen" der polizeilichen Maßnahmen. "Trotz wiederholter Aufforderungen, den Ort zu verlassen, störte insbesondere ein 37-Jähriger weiter", teilte die Pressestelle mit. Die Beamten hätten ihm einen Platzverweis erteilt. "Nachdem auch dieser wiederholt ausgesprochen worden war und der Mann keine Anstalten machte, dem nachzukommen, nahmen ihn die Polizisten fest", so die Erklärung. Hierbei habe ein Unbekannter in das Geschehen eingegriffen und versucht, den Festgenommenen zu befreien, was die Beamten "mittels einfacher körperlicher Gewalt" verhinderten.Relativ rabiat gingen Polizisten auch gegen Mitglieder der Jüdischen Gemeinde vor. Denn offenbar sollten die Islamisten, die am Sonnabend über den Kurfürstendamm marschierten, nicht verärgert werden. Nur so erklären sich die Teilnehmer der Gegendemo zum sogenannten Al Quds-Tag-Aufmarsch, dass es ihnen verboten wurde, hebräische Lieder abzuspielen. Die 600 Islamisten forderten bei ihrer Demo wie jedes Jahr den Tod Israels - und blieben unbehelligt.Die rund 200 Gegendemonstranten, die gegen den antisemitischen Aufmarsch demonstrierten, wurden dagegen von der Polizei streng behandelt, weshalb sie schwere Vorwürfe gegen die Einsatzleitung richten. Die Gegendemonstranten seien von Beamten rüde angefasst und zwischen Absperrgittern eingezwängt worden, erklärten sie. Rund 150 Polizisten überwachten sie, die meisten kamen von der Einsatzhundertschaft der Direktion 4.Sie beschlagnahmten unter anderem eine Jerusalem-Fahne, die mit hebräischen Buchstaben bestickt war. Zudem durften Demonstranten das Schild "Free Gilad Shalit", das die Freilassung eines von Hamas-Terroristen entführten Israelis forderte, nicht zeigen. "Mitglieder der Jüdischen Gemeinde wurden angebrüllt, Personen wurden nicht auf die Kundgebung gelassen", so Mitorganisator Daniel Fallenstein. "Wir nehmen die Vorwürfe sehr ernst und werden sie prüfen", sagte ein Polizeisprecher.------------------------------Foto: Ein Polizist schlägt auf einen Demonstranten ein.