Was tun mit Kindern, die immer wieder klauen, prügeln und rauben? Einige haben schon 40 Straftaten auf dem Gewissen. Doch die Polizei muss sie immer wieder laufen lassen, weil sie noch nicht 14 und strafmündig sind. Weil ein 13-Jähriger, der auf der Straße einen Raub begeht, juristisch nicht zur Verantwortung gezogen werden kann, bleibt dem Jugendamt oft nur Eines: die Unterbringung des Kindes in einem Heim, wo es mehrere Monate oder Jahre nach strengen Regeln lebt und Werte vermittelt bekommt und ein Leben ohne Straftaten überhaupt erst lernt.Diese Chancen lässt Berlin zum großen Teil ungenutzt. "Nur ein Kind ist derzeit in einem Heim untergebracht", sagte eine Sprecherin der Senatsjugendverwaltung gestern. Nach Angaben der Sprecherin stehen Berlin mindestens 26 Plätze in Brandenburger Einrichtungen zur Verfügung. Bei Bedarf könnten Bezirksämter weitere Verträge mit Einrichtungen in anderen Bundesländern schließen. Zuständig für die Heimunterbringung ist das jeweilige Jugendamt. Die Entscheidung erfolgt entweder im Einvernehmen mit der Familie oder auf Beschluss des Familiengerichts.Ein Betreuer und zwei KinderBei den Einrichtungen mit Namen wie "Hasenburg", "Weidenhof" oder "Insel" handelt es sich unter anderem um abgelegene Bauernhöfe, die von freien Trägern betrieben werden. Sie liegen an abgelegenen Orten, die Abhauen unattraktiv machen. Der Tagesablauf ist streng geregelt, die Bewohner werden "verbindlich betreut". Die Kinder erhalten sogar Schulunterricht, der Betreuerschlüssel liegt in der Regel bei 1:2 - ein Betreuer ist für zwei Kinder verantwortlich.Polizeipräsident Dieter Glietsch wundert sich, dass die Jugendämter nicht stärker das Angebot nutzen. Er befürwortet ein Konzept "Menschen statt Mauern", bei dem sich Sozialarbeiter um straffällige Jugendliche kümmern. Eigentlich rennt er damit in den Bezirksämtern offene Türen ein. "Kriminelle Kinder oder Jugendliche aus ihrem Milieu raus zu nehmen und weit weg in die Wallachei zu schicken, ist sehr sinnvoll", sagt etwa Peter Schulz, zuständiger Fachbereichsleiter in Mitte. "Dies sollte aber sehr gezielt geschehen. Es geht nicht darum, die Kinder einfach wegzuschließen, sondern ihnen einen pädagogischen Bezug zu geben." Ein Heimplatz ist allerdings auch teuer. Laut Schulz liegen die Kosten pro Monat zwischen 3 000 und 5 000 Euro. Im "Problembezirk" Neukölln sieht man es ähnlich: "Einen Jugendlichen oder ein Kind unterzubringen, überlegt man sich schon genau", sagt Jugendstadträtin Gabriele Vonnekold (Grüne). "Zumal uns der Finanzsenator für 2008 den Etat für Hilfen zur Erziehung und Heimunterbringungen um fünf auf 32 Millionen Euro gestrichen hat. Gleichwohl glaubt die Stadträtin, dass Jugendämter manchmal zögerten, sich das Sorgerecht für kriminelle Kinder beim Gericht zu erstreiten. "Man sollte eher zugreifen", meint sie.Das passierte im Fall eines 12-Jährigen, der im März in Wittenau einen 55-Jährigen mit einem Messerstich in den Rücken schwer verletzte. Der Junge kam in ein Heim. So war es auch im Fall einer 13-jährigen Intensivtäterin, die im vergangenen Jahr in Moabit eine Studentin krankenhausreif schlug und wenig später versuchte, die Rezeption eines Hostels auszurauben. Nach der Tat wurde sie für einige Monate ins Heim gesteckt. Wie es heißt, ist es "gut gelaufen". Das Mädchen, das inzwischen 14 und strafmündig ist, soll nicht mehr geprügelt haben.------------------------------Foto: In Frostenwalde bei Schwedt gibt es ein Heim für straffällige Jugendliche. Dort werden die Jugendlichen bis zum Prozess betreut.