Historische Musikinstrumente und historische Aufführungspraxis standen wieder im Mittelpunkt der Berliner Tage für alte Musik, die am Sonntag zu Ende gingen. Das kleine Festival am Gendarmenmarkt zeigte auf einem Musikinstrumenten-Markt, auf welchen Instrumenten zu Zeiten Monteverdis, Bachs und Mozarts musiziert wurde. In den abendlichen Konzerten war dann der Klang von Schalmeien, Pommern und Zugtrompeten bis hin zu Hammerklavier und Traversflöte aus Beethovens Zeit zu erleben.Das Orchestre des Champs-elysees unter Philippe Herreweghe musizierte ein Mozart-Programm im Konzerthaus. "Ach, wenn wir nur auch clarinetti hätten", jammerte Mozart 1778 in einem Brief aus Mannheim an seinen Vater - die Klarinette zählte zu Mozarts bevorzugten Instrumenten. Im Oktober 1791 schrieb er für Klarinettisten Anton Stadler, das Konzert in A-Dur. Stadler spielte es damals auf seiner neuentwickelten Bassettklarinette, die einen erweiterten Baßbereich hat. Eric Hoeprich musizierte nun Mozarts Klarinettenkonzert auf einer Kopie von Stadlers Bassettklarinette, angefertigt nach einem alten Kupferstich.Die Wiederbelebung des Stadlerschen Instruments hat sich gelohnt: Mit sanft an- und abschwellenden Tönen von unglaublich warmer Klangfarbe und abgrundtiefem Baßregister interpretierte Hoeprich Mozarts letztes Instrumentalwerk. In Herreweghe hatte er einen empfindsamen Begleiter. Das Orchester lief vor allem im schnellen Finale der Prager Sinfonie zur Höchstleistung auf. Schmetternde Naturhörner und Trompeten, knackige Kesselpauken, sichere Holzbläser und ein Dirigent, der seine pastorenhafte Zurückhaltung aufgab, ließen sich von Mozarts Musik treiben.In der französischen Friedrichstadtkirche erwartete die Besucher eine "phantastische Reise in die Welt des Mittelalters". Das belgische Trio Les Haulz et les Bas (die Lauten und die Leisen) spielte Bläsermusik des 14. und 15. Jahrhunderts auf Schalmei, Pommer, Zugtrompete und Dudelsack. Eine Diaprojektion von niederländischer Malerei und derbe Zitate von Zeitgenossen verdeutlichten das arbeitsreiche Leben eines Stadtmusikers: "Und die jungen Mädchen tanzen zu dem Lärm um die Wette, wobei sie wie die Hirschkühe geschmacklos mit dem Hintern wackeln."Ein besonderes Experiment wagten die Blockflötisten vom Amsterdam Loeki Stardust Quartet. In ihrem Konzert über die vier Tageszeiten brachten sie auf Barock- und Renaissanceflöten nicht nur alte Musik zu Gehör. Eingeleitet von einer Tonbandcollage spielte das Quartett beispielsweise "Misty", ein raffiniertes Arrangement von Errol Garner. Höhepunkt des Programms war "Tall P.", humorvoll komponiert von Pete Rose. Das jazzige Stück riß das Publikum zu Beifallsstürmen hin.Der letzte Tag des Festivals brach eine Lanze für die deutsche Barockoper. Die Capella Orlandi Bremen zelebrierte mit 2 Violinen, Viola, Gambe, Oboe, Fagott, Cembalo und Theorbe den "Sieg der fruchtbaren Pomona". Die Oper wurde 1702 von Reinhard Keiser in Hamburg zum Geburtstag des dänischen Königs Friedrich IV. komponiert. Um seine bevorzugte Jahreszeit zu bestimmen, bestellt Götterchef Jupiter die Vertreter der vier Jahreszeiten zu sich. In einer Art antiker Mißwahl kürt er seine Favoritin: Die fruchtbare Pomona kann sich gegen ihre reizenden Konkurrentinnen Flora und Ceres durchsetzen. Auf einer kargen Bühne triumphierte Mona Spägele als Pomona auch in musikalischer und stimmlicher Hinsicht. Perfekt eingespielte Instrumentalisten unter der Leitung von Thomas Ihlenfeldt an der Theorbe und gut artikulierende Sänger wurden der prächtigen Musik von Keiser gerecht. +++