Geht Libero Sammer? Bleibt Trainer Hitzfeld? Gehen Hitzfeld und Sammer? Gehen beide? Keine Woche ist es her, daß diese Fragen die Sportseiten fluteten, nun wurden sie vom Rücktritt des Gerd Niebaum überspült. Kurz nach dem Europacupsieg gegen Juventus Turin steht Borussia Dortmund vor einer überraschenden Situation: Pokal da, Sammer da, Hitzfeld auch, Präsident weg. Arbeitsüberlastung beklagt Niebaum, und seine Verzichtbarkeit begründet er mit einem Blick in die Nachbarschaft: "Die ganzen unverzichtbaren Leute liegen auf dem Südwest-Friedhof von Dortmund oder in jeder anderen Stadt. Und plötzlich geht die Welt doch weiter."Den Horizont der Borussia hat der Präsident in neun Amtsjahren auf ein Geschäftsvolumen von 140 Millionen Mark erweitert. Der Verein wandelte sich wie der FC Bayern zu einem "Unternehmen der Freizeitindustrie" (Niebaum). Hier wie dort wird der Börsengang als Schritt ins nächste Jahrtausend vorbereitet. Auch der Münchner Chef Beckenbauer grübelt, ob er den Wechsel zur AG verantwortlich prägen soll. Indem er Borussia in die Nähe der Aktienreife führte, hat sich der überlastete Niebaum quasi selbst aus dem Amt gedrängt. Aufsichtsratsvorsitzender, nicht Klub-Präsident wird der Spitzenjob des entseelten, kapitalisierten Fußballs sein. Möglich, daß es Niebaum (48) doch noch einmal zur Borussia drängt. Lange vor dem Gang zum Zentralfriedhof.