BERLIN, 17. April. Der ehemalige US-Präsident George Bush hat sich bei den Deutschen für ihre Solidarität mit den USA nach den Anschlägen am 11. September bedankt: "Die Amerikaner haben gesehen, dass sie keinen größeren und keinen ehrlicheren Freund haben als Deutschland." Bush senior wurde am Mittwoch während einer Feier in Berlin aus Anlass des 50-jährigen Bestehens der Atlantik-Brücke mit dem Warburg-Preis ausgezeichnet. Die "Atlantik-Brücke" setzt sich seit ihrer Gründung 1952 für die Aussöhnung und den Austausch zwischen Amerikanern und Deutschen ein. Der seit 1988 verliehene Preis wurde nach einem Mitbegründer, den Hamburger Bankier Eric M. Warburg, benannt. Bush betonte in seiner Rede die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit der USA mit allen Ländern der westlichen Welt - insbesondere in einer solch kritischen Situation wie heute, in der die Welt vom Terrorismus bedroht sei. "Wir alle verstehen, dass wir einander mehr brauchen denn je."Das enge Verhältnis zu den USA sei neben der europäischen Integration "der wichtigste Pfeiler", auf dem die Freiheit und die Demokratie der Bundesrepublik aufgebaut sind, sagte Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) in seiner Laudatio. "Das Glück der Wiedervereinigung verdankt die Bundesrepublik Amerika und seinem damaligen Präsidenten." Bush habe sich in dieser Stunde "als wahrer Freund unseres Volkes erwiesen". Sternstunde der DiplomatieLob fand Fischer auch für die "anderen großen Akteure, die mit Weitblick und Verantwortungsbewusstsein agierten, wie Helmut Kohl, Hans Dietrich Genscher, Eduard Schewardnadse und Michail Gorbatschow". Was sie alle geleistet hätten, sei zu Recht als Sternstunde der Diplomatie zu bezeichnen. Mit Blick auf das wachsende Engagement der Bundesrepublik bei internationalen Friedenseinsätzen sagte Fischer, die Geschichte habe gezeigt, dass oftmals in einem politischen und militärischen Einsatz gemeinsam eine "einzigartige Stärke" liegen könne. Deutschland werde jedoch auch künftig Militäreinsätzen zurückhaltender gegenüberstehen als die USA. "Unsere historischen Erfahrungen waren weniger glücklich, um es ganz diplomatisch auszudrücken, und das wirkt über eine lange Zeit fort." Trotz aller Gemeinsamkeiten, so sagte Fischer weiter, sollten die USA und die Europäer auch mehr Verständnis für die Differenzen aufbringen. Nach den Anschlägen vom 11. September hätten die Deutschen mit den Amerikanern gefühlt und verstanden, dass man die Gefahr gemeinsam bekämpfen müsse, sagte Außenminister Fischer. Die "Stimmungslage der öffentlichen Meinung diesseits und jenseits des Atlantiks hätte sich seither jedoch unübersehbar in unterschiedliche Richtungen entwickelt". Die Europäer müssten erkennen, "dass auch die USA dem Primat der Politik verpflichtet sind". Die USA sollten sehen, dass die "Europäer keine unverbesserlichen appeasment-Verfechter sind, die kategorisch jede Anwendung von Zwang von sich weisen", sagte Fischer vor den 500 geladenen Gästen, zu denen auch Bundeskanzler Gerhard Schröder gehörte.